What about the weather?
Dies ist die seit unserer Ankunft in Griechenland am 11.April häufigste Frage. Und die nächste unter den Seglern lautet, welcher Wettervorhersage man traut. Wir konsultieren täglich oft mehrmals verschiedene: Weather pro, Windy, Windfinder, Poseidon usw., aber die Trefferquote fällt jämmerlich aus. Schon im April blies es bereits mächtig aus Nord, dazwischen dann wieder Phasen mit rotem Regen bei ungemütlichem Südwind. Temperaturen nachts oft nur 12Grad. Inzwischen liegen die Tagestemperaturen über 20 Grad, und die Dieselheizung wird abends nicht mehr gebraucht.
Wir haben uns bei vorausgesagtem Südwind nach Norden aufgemacht, um unsere Freundin Ortrud in Samos zu treffen, lagen zunächst erstmal wieder auf Lipsi, dann auf Samos fest bei stürmischem Regenwetter. Dennoch nutzten wir die Zeit für Landausflüge und entdeckten auf Samos noch ein fruchtbares Hochtal im Osten sowie das Frauenkloster Zoodochou hoch oben auf einem Berg.
Da danach weiter Südwind vorhergesagt war, hätte sich eine Segeltour Richtung Lesbos angeboten, aber leider war der Wind dafür viel zu schwach. Lange Etappen von 50 nm zu dieseln, widerstrebte uns, zumal es auf der auf dem Wege liegenden Insel Chios kaum geschützte Liegemöglichkeiten gibt. Also nach Jahren mal wieder nach Ikaria, wo es an der Südküste eine geschützte, gut funktionierende Marina gibt.
Entgegen der Wettervorhersage war es trüb und windstill. Lange schlecht gekennzeichnete Schleppverbände zogen Plattformen für Fischfarmen hinter sich her, denen wir auswichen. Dann kam tatsächlich soviel Wind auf, dass wir Segel setzen konnten. Auf Ikaria erkundeten wir mit einem Mietauto die wilde Berglandschaft und genossen faszinierende Ausblicke im unendlichen Kurvengeschlängel.
Dann ging’s bei anhaltendem Schwachwind wieder nach Süden, diesmal zum kleinen Archipel der Fournoi, wo es seit 2 Jahren eine neue Pier gibt. Leider ist nur die Außenseite für Yachten; hinter der Mauer liegen Fischerboote mit Wasser und Strom. Bei ruhigem Wetter kann man hier längsseits gehen, aber der Schwell hereinkommender Fähren ist enorm. Für das zweifelhafte Vergnügen zahlten wir 26 €. Die Hauptstraße des kleinen Ortes wird von zu Bögen gebundenen Maulbeerbäumen bekränzt, es gibt kleine Geschäfte und ein Postamt, aber das kulinarische Angebot enttäuscht bei gehobenen Preisen. Das noch ruhige Wetter nutzend, ging’s am nächsten Tag weiter nach Arki. In der engen Durchfahrt zwischen Fournoi und Thymaina hatten wir 2kn Gegenstrom, danach stand eine mächtige Dünung aus Südwest. Und statt des vorhergesagten SW kam der zugegeben schwache Wind wieder nur von vorn. Bei Einfahrt in das Archipel von Arki haben wir sonst immer Delphine gesehen, diesmal nicht! Und das im kleinen Hafen von Porto Augusto war schon mittags die gesamte Pier mit echten Dickschiffen belegt - mit Arki haben wir einfach kein Glück! Wie oft haben wir schon versucht, dort einen Platz zu ergattern! Gegenüber in der Bucht von Marathi wollten wir bei den unsicheren Bojen nun auch nicht bleiben. Auf Grund eines neuen Wetterberichts, der stürmische Winde aus Süd voraussagte, lieber einen sicheren Platz aufsuchen. Was lag da näher als die Lieblingsinsel des Skippers! Am frühen Nachmittag lagen wir wieder mal in Lipsi an der Pier und hatten Glück, noch innen Platz zu finden. Abends war wieder alles voll mit Charterbooten. Ortrud und ich freuen uns auf ausgedehnte Spaziergänge und Schwimmen ( ja, trotz kühlem Wetter ist seit dem 7. Mai die Badesaison eröffnet). Der Skipper versorgt und hütet das Boot, schont sein noch immer malades Bein und freut sich auf hervorragendes Essen bei Manolis! Statt Süd blies es dann nachts aus West und sorgte für eine unruhige laute Nacht. Wir freuen uns, wenn wir hier neue Bekanntschaften machen und alte hier wieder treffen. Der Austausch unter den Fahrtenseglern und ihre Stories über die kleinen und großen Missgeschicke mündet meist mit Kopfschütteln über Wind und Wetter! Auch wir wissen noch nicht, wie es weitergeht. Aber Ende Juni sind wir wieder in Berlin.