Segler-Verein Stössensee e.V.

Segeln auf der Sonnenseite der Havel
Sturmvogel

Sturmvogel

Zwischen Berlin und Ostsee

Vom wohl weitesten Punkt der diesjährigen Reise, Kloster auf Hiddensee melde ich mich mit herzlichen Grüßen an Freunde, Bekannte und Kameraden, männliche, wie weibliche.

Zur Crew gehört zum ersten Mal ein Hündin, die Laile, ein 12 kg schwerer ‚deutscher Pinscher‘, bereits 10 Jahre alt und durch eine Wirbelsäulenverletzung beim Rasen über eine Brache etwas eingeschränkt.

Dann zum ersten Mal auf einem längeren Törn Heide, die sich im letzten Jahr bei einer zweiwöchigen Ankertour auf den Berliner Gewässern gut eingewöhnt hat.

Wir starten am 14. Juni im SVSt und machen am 17. Juni mittags im AZS bei Stettin fest. Wir brauchen gute drei Tage, weil wir Piesch- und Bewegungspausen einlegen für Laile. Sofort stellen wir den Mast. Schon am nächsten Tag legen wir nach einem heftigen Regenschauer ab und machen am frühen Abend in Ziegenort im Yachthafen fest. Leider umgibt den Yachthafen ein Zaun, der zwar einige Zugänge hat, aber wir kommen uns dennoch wie eingesperrt vor.

Also weiter, bereits nach knapp 15 Meilen machen wir in dem schönen Ort Altwarp fest. Hier bleiben wir einen Tag, immer wieder wettern wir Regen ab, so etwa unter einer Eiche auf einem Spaziergang.

Nächte Station ist Ueckermünde. Hier können wir den Liegeplatz von meinem Freund Rolf nutzen, der gerade zu seinem Törn nach Schweden aufbricht. Wir verholen durch die Straßenbrücke zu der Werft Baars an der Uecker. Am nächsten Tag fahren wir mit dem Zug nach Berlin. Er ist überfüllt, wir haben Glück und bekommen noch zwei Sitzplätze – um uns herum stehen die Fahrgäste wie die Heringe, an einem Freitag Nachmittag. Wir verbringen ein schönes Konfirmationsfest von Heide‘s Enkel Levi im Falkpark und auch meinen Geburtstag.

Nach fünf Tagen wieder zurück an Bord des Sturmvogel, kaufen wir noch ein und machen uns auf den Weg nach Westen über das Oderhaff. Nächster Stopp ist Karnin ein kleiner netter Hafen mit Imbiss, wo auch das Hafengeld kassiert wird.

Weiter gehts nach Krummin, auf Usedom am Krumminer Wiek einem sehr schicken Hafen und in Hafennähe ein sehr uriges Gartencafe. Außerdem, auch in Hafennähe die sehenswerte Kirche vom Ort.

Durch die Wolgaster Brücke kommen wir nach Peenemünde Nord. Der Hafen wurde in einem alten Hafenbecken der Marine eingerichtet. Starkwind und Sturmvorhersagen für die nächsten Tage, lassen uns am Sonntag den 2.Juli um 5 Uhr 30 dort ablegen; wir nutzen eine zahmere Phase des Starkwindes aus, um nach Rügen zu gelangen. Superschnelle Fahr von mehr als 7 Knoten bei halbem Wird mit stark gerefften Segeln und ca. 1 Meter Welle. Wir stehen direkt vor der Einfahrt von Thiessow, als plötzlich die niedrig stehende Sonne durch die Wolken bricht und im Wasser gleißend, einen Blick auf die nötigen Ansteuerungstonnen unmöglich macht. In diesem Augenblick sitzen wir auf Grund. Alle Manöver alleine los zu kommen schlagen fehl, so daß ich einen Panpan Notruf über Seefunk absetze. Die Notrufzentrale in Bremerhafen benachrichtigt einen Rettungskreuzer in Lauterbach. Während der knappen Stunde die wir warten müssen, wird der Sturmvogel immer weiter auf das Flach gesetzt – wir haben auflandigen Wind und hohe Wellen – wir werden immer wieder von Wellen überspült und liegen sehr schräg.
Dann kommt der Rettungskreuzer, übergibt uns eine Trosse, die wir auf den hinteren Festmachenklampen belegen und zieht uns erst langsam, dann aber schnell von der Untiefe herunter. Inzwischen ist die Sonne hinter Wolken verschwunden und wir können klar die Tonnen und die Einsteuerungsmerkmale sehen, laufen – begleitet von dem Rettungskreuzer – nach Thiessow, wo wir glücklich festmachen und den fünf Rettungsleuten danken. Sie wurden für den Einsatz aus den Betten geholt, es ist Sonntag. Aber, was ist mit meinem Boot, gibt es Schäden? Vielleicht sogar strukturelle? Ich rufe meine Versicherung an, die mir raten das Ruder und den Kiel anzuschauen, wenn es geht mit einem Bootsbauer. Es folgen Sturmtage im Hafen von Thiessow; erst am letzten Tag verholen wir mit Hilfe von anderen Seglern auf einen Platz mit ablandigem Wind, viel angenehmer.

Drei Tage später gehen wir nach Lauterbach, wo ich mich zum Kranen des Sturmvogel angemeldet habe. Das klappt dann auch gut und ein Bootsbaumeister der örtlichen Werft schaut mit mir den Kiel, den Rumpf und das Ruder an: wir finden keine größeren Schäden. Natürlich ist die Farbe und ein Teil der Beschichtung am Kiel verschwunden, aber nichts größeres, was ich nicht selber im Winterlager machen könnte. Mir fällt ein Stein vom Herzen.

Mit dem Zug fahren wir die zwei Stationen von Lauterbach nach Putbus, wo einst die adlige Familie derer zu Putbus einen runden Platz mit entsprechender Bebauung, ein Schloß mit Garten und Orangerie hat anlegen lassen. Unglaublich nach den eher bäuerlich geprägten Orten sonst auf Rügen.

Am Abend laufen wir die 2,5 km nach Vilmnitz, wo wir in der Kirche ein wunderbares und außergewöhnliches Cello Konzert mit Christina Meißner erleben. Experimentelle, noch nie gehörte Klänge, nichts improvisiert sondern alles notiert. Da Heide die Musikerin kennt, laden wir sie auf ein Glas auf den Sturmvogel ein; ein interessantes Gespräch entspinnt sich.

Dann der erste größere Schlag bei leichter Brise von halb bis achtern: 21 Seemeilen nach Stralsund. Schon Tags darauf legen wir ab nach Hiddensee. Dabei erwischt uns heftiger Regen und ein Gewitter. Wir können nicht segeln, denn der Wind kommt fast genau von vorne. Die Tonnen in dem engen Fahrwasser kann ich gerade noch ausmachen; wir gelangen sicher in den schönen Hafen Kloster auf dieser kulturvollen Insel.

Fast eine Woche sind wir nun auf der Insel und haben täglich Lesungen (Ute Fritsch über Hans Fallada, Arno Geiger stellt sein neues Buch vor), Konzert (Orgelmusik: Bach - Goldbergvariationen in der Inselkirche) Figurentheater (Karl Huck mit der Schatzinsel – im Homunkulus). Natürlich eine längere Wanderung auch zu Laile‘s Freude auf den Dornbusch und zum Klausner und mehrere Bäder bei sehr unterschiedlichem Wetter und verschiedenen Wasserqualitäten, von brühig ruhig bis klar, kühl und bewegt.

Wir werden wohl noch ein paar Tage bleiben und dann die Rückreise, wieder über Stralsund, den Greifswalder Bodden und dann den Peenestrom und das Oderhaff antreten.

Herzliche Grüße an alle von
Ralf und Heide

Gestartet sind wir relativ spontan am Montag, 14. Juni, um der vorhergesagten Hitze in Berlin zu entfliehen.

Die Kanalfahrt verlief flott, und bis auf eine Baustelle bei Eberswalde, problemlos. Hier fanden Ausbaggerarbeiten statt. Eine halbe Stunde mussten wir kringeln, weil Schuten die Durchfahrt blockierten. Übernachtet auf dem Kanal haben wir in Lehnitz (an der Warteposition oben) und in Gartz.

In Stettin hatte uns die Hitze eingeholt, zudem fanden am nahen Flughafen Flugübungen mit dem Helikopter mit Tiefflügen über mehr als fünf Stunden statt, z.T. direkt über unseren Köpfen, Das war reiner Terror und nur der Gehörschutz und Ohropax schützten etwas. Aber letztlich stand der Mast und alle Segel waren angeschlagen. Fluchtartig verließen wir den Segelverein AZS.

Am Donnerstag, 17.Juni, segelten wir über den Dammschen See und die Oder, hielten für eine Tank- und eine längere Hitzepause in Trzebiez, und weiter nach Swinemünde (17.-18.6.). Die Hitze wetterten wir unter dem Sonnendach ab, doch wir wollten auch in der Ostsee baden. Neben tausenden Menschen am Strand wagten wir den Gang in die kalten Fluten, Chrissie sah 17°; welch eine Abkühlung bei 33° Lufttemperatur!

Nach Swinemünde laufen wir Thiessow (Mönchgut auf Rügen) (37nm) an. Hier gibt es es morgens frische Flundern beim Fischer. Ein Hafentag folgt, Montagmorgen verhindert eine mächtige Böenwalze mit kurzem Starkregen, und folgender starker Wind unsere Weiterfahrt nach Stralsund. Sturmvogel wird an die Pier gedrückt, so dass wir nicht ablegen können. Wir entschließen uns zu einem schönen Spaziergang entlang dem Hochufer zum Lotsenturm. Zurück im Hafen hat es abgeflaut und wir können nun doch ablegen. Ausnahmsweise sollten wir langsam segeln und motoren, um den Brückenzug um 21.30 Uhr in Stralsund nicht zu früh zu erreichen. Es ist Sonnenuntergang als wir die Ziegelgrabenbrücke passieren. Die erstandenen Flundern gibt es zum Nachtessen und dazu eine Flasche Weißwein für die Bettschwere.

Am nächsten Morgen (22.6.) um 9 Uhr geht es weiter nach Kloster auf Hiddensee. Es weht ein NW mit 20, später mit 23 kn, und hoch am Wind mit einem Reff in Groß und Genua freut es den Skipper motorende Segelboote zu überholen. Um 12 Uhr mittags machen wir fest im Hafen von Kloster.

Hier bleiben wir bis zum 5. Juli, wir haben uns an ein entspanntes Leben gewöhnt, werden von Ute und Volker Haase zum Abendessen in ihrer Ferienwohnung eingeladen, besuchen die Vorstellung „Faust“ des genialen Puppenspielers Karl Huck im Homunkulus.

Skippers Geburtstag wird mit Ute und Volker mit Sekt, Häppchen und Erdbeeren auf dem Sturmvogel gefeiert.

Bei 22° Lufttemperatur ist es nicht mehr so heiß (Wasser: 21°), und es weht ein angenehmer Westwind. Im Sommerpalast ist gut Eis essen, auch Kaffee und Kuchen an Bord, und wenn es dann auch noch Hechtfilet vom Fischer Willi gibt, ist die Welt in Ordnung.

Für fünf Tage kommt Enkelin Nr. 1, Leonie, die sich begeistert in die aufgepeitschte Ostsee schmeißt;  alles dokumentiert für ihren Instagram Account. Sie genießt merklich ihren Aufenthalt auf der Insel in vollen Zügen.

Nachdem wir die Chancen, nach Schweden oder Bornholm zu gehen, abgeschätzt und alle längerfristigen Wettervorhersagen studiert haben, lösen wir die Tentakeln, die uns auf Hiddensee festhalten. Es soll nach Südschweden gehen.

Mittwoch, 7. Juli, visieren wir Lohme an. Erst unter Motor bei W 2 bis 3 kn und später mit S und SE 2 mit Groß und Genua, machen wir dort nach 28 nm fest. Hier braucht man für die breiten Boxen extrem lange Achterleinen!

Am Donnerstag laufen wir die 9 nm unter Motor Sassnitz an. Der Nordostwind beschert uns eine elende Rollerei in der Nacht. Chrissie versucht in unterschiedlichen Schlafstellen vergeblich, Schlaf zu finden. Bloß weg von hier!

Es folgen drei Tage in Glowe als möglichem Absprunghafen nach Südschweden oder Bornholm. Glowe hat einen guten und geschützten Hafen, die Sanitäranlage ist ok, und wir können für kleines Geld (3 €) Wäsche waschen. Der Ort ist unattraktiv bis langweilig, auch gebeutelt von der stark befahrenen Straße entlang der Schaabe. Als Fußgänger fühlt man sich geradezu gejagt, wenn man die Straße zum Beispiel für einen Einkauf queren möchte.

Sonntag, der 11. Juli, ist ein Hafentag, wir wollen eine kleine Wanderung von ca. 4 km Richtung Schloss Spyker unternehmen. Es ist ziemlich warm, angenehm ist der urige Wald, nicht so ermunternd die vielen E-Bike-Fahrer, für die diese Strecke sicher einfach zu erfahren ist. Zu Fuß zieht es sich ...

Zurück im Hafen machen zu unserer Überraschung Maria, Matthias und Felina vom SVSt neben uns mit ihrer X-Yacht BüXut fest, einen kurzen Abend zum Sundowner verbringen wir mit den Dreien bei uns an Bord.

Am Dienstag, dem 13. Juli, machen wir die Leinen los, Ziel ist Ystad. Die Bedingungen sind zunächst handig: 3-4 Windstärken aus Ost, später etwas nördlich drehend und zunehmend, so dass ein Reff ins Großsegel gebunden wird, um die Schräglage und damit die Turnerei an Bord zu reduzieren. Die Bootsbewegungen auf See sind jedoch für Chrissie eine Herausforderung, ihr sind noch keine Seebeine gewachsen. Wir schaffen die langen 54 Seemeilen in 9 Stunden.

Mittwoch und Donnerstag sind Hafentage in Ystad. Es ist sehr warm, 27°, der kleine Strand direkt neben dem Hafen lockt: Schon frühmorgens genießen wir das Bad im 20° warmen Wasser. Und auch die insgesamt sehr entspannte Atmosphäre. Die Autos fahren langsam und halten an, wenn ein Fußgänger die Straße überqueren will. Wir erkunden die Stadt mit den kleinen Rädern, fahren zum Einkauf, dann sitzen wir wieder auf dem Sturmvogel im Schatten. Am frühen Abend findet auf dem nahen Tanzboden bei Lifemusik eine Tanzveranstaltung statt, das ist schwedische Lebensart! Wir genießen das Seh-Vergnügen!

Freitag, 16. Juli, geht‘s weiter nach Kåseberga, nur 11 nm östlich von Ystad. Wir möchten uns noch einmal die Steinsetzung Ales Stena anschauen. Viele Menschen sind mit uns unterwegs, es herrscht reger Ausflugsbetrieb. Im Imbiss- und Fischladen kaufen wir für unser Abendessen Dorsch ein, teuer, aber vom Feinsten.

Leider trifft uns im Hafen Dampferschwell von den Schnellfähren, die nach Ystad einlaufen, das ist etwas ungemütlich. So motoren wir tags darauf mangels Wind 29 nm weiter nach Bornholm. In mehr als 5 Stunden!

Der Hafen im Norden von Bornholm, Allinge, ist wie befürchtet schon zugewachsen mit Booten; für uns keine Chance auf einen Liegeplatz. So motoren wir weiter nach Tejn, einem ehemaligen Fischereihafen, der ist nicht attraktiv, aber es gibt noch Platz an der hohen Pier, die Chrissie nur mühsam oder mit meiner Hilfe erklimmen kann.

Eine alternative Brauerei braut und verkauft 17 Biersorten, sie wird betrieben von jungen Leuten. Am Nachmittag und Abend bespielt die Szene ein DJ, mit Musik (Soul, R+B, Salsa) der Ära vor Beatles und Stones - geile Mucke!!! - und das Bier fließt dazu. Viele, meist junge, Leute, Freunde, Bekannte, treffen sich hier. Auch ein großes Seh-Vergnügen für uns.

Nachts weht viel Starkwind, so dass Sand und Dreck von der Pier auf Sturmvogels Deck landet. Also muss der Skipper ausgiebig pützen und putzen. Der Hinterreifen von Chrissies Fahrrad ist platt, also fährt der Skipper alleine nach Allinge, um einen neuen Reifen zu besorgen, zugleich auch zwei Schollen aus der bekannten Räucherei und Brot aus der Schweizer Konditori. Dann erledigt er noch eben die Fahrradreparatur.

Am Dienstag, 20. Juli, legen wir ab Richtung Svaneke, entlang Bornholms Küste im Uhrzeigersinn. Die Genua wird ausgebaumt, und segeln „dänisch“ mit Motorunterstützung. Wir schauen mal kurz in den Hafen von Svaneke rein, natürlich auch proppenvoll – wie nicht anders erwartet.

Also laufen wir unter Groß und Genua die 19 nm nach Nexö. Nach einer Hafenrundfahrt durch alle Hafenbecken entscheidet sich der Skipper für einen bequemen, mit grün gekennzeichneten Platz im Segelverein. Hier können wir fußläufig bei Kvickly und Lidl einkaufen, mit den Klapprädern durch die Gegend gurken, doch wegen des Autoverkehrs entlang der Straße, entscheiden wir uns für ein Tages-Senioren-Busticket, um mehr von der Insel zu erkunden. Eine Bushaltestelle nach dem Hafen von Gudhjem befindet sich das Bornholmer Kunstmuseum und auch die Klippen Die haben wir schon einmal vor 10 Jahren besucht, doch beide sind einen erneuten Besuch wert.

Durch den modernen Bau des Museums wurde eine fließende heilige Quelle integriert. Und zu sehen ist eine wunderschöne Sammlung Bornholmer Malerei und moderne Kunst. Natürlich besuchen wir auch die ‚Heligdomsklipperne‘ ca. 50 m hohe Klippen mit Klüften, Spalten und Türmen. Wirklich beeindruckend und grandios.

Weiter ging die Bustour nach Hasle und später nach Roenne, auch um die Situation in den Häfen zu erkunden. Keine Überraschung: Es ist überall voll, man liegt im Päckchen. Leider gibt es keine Heckdöpper, die mehr Liegeplätze bieten könnten.

Am Samstag, 24. Juli, segeln wir von Nexö zunächst am Wind, ab Dueodde ‚Platt vor Laken‘ an der Südküste mit den beeindruckenden Stränden entlang bei zunehmendem Wind bis 4 Bft nach Roenne (24 nm). Zwei Nächte bleiben wir hier, versuchen ein Bad am nahen Strand, doch brechen den Versuch ab wegen des müffelden abgestorbenen Seetangs. Dafür nutzen wir die unentgeltliche Waschmaschine, die Wäsche trocknet in Windeseile auf der Leine an Bord. Auch hier sind die Liegeplätze knapp, weil zwischen den Stegen die Abstände jeweils erweitert wurden, um den überbreiten Yachten Platz zu bieten. Und bei Einlaufen der Katamaranfähre schaukeln alle Schiffe bedenklich im Schwell. Alles gut festhalten und -zurren! Der Weststeg, an dem wir festmachen, ist in einem renovierungsbedürftigen Zustand, zur Mole hin versandet, was von einigen Skippern nicht beachtet wird und aufsitzen. Mit vereinten Kräften und Leinen der umliegenden Skipper wird dann „gerettet“.

Am Montag, 26. Juli, nutzen wir den Ostwind und segeln kurz entschlossen die 52 nm von Rönne nach Lohme, halbwind mit Motorhilfe bis zum Arkona-Windpark, den wir östlich passieren, um dann raumschots mit dem Groß an Steuerbord und der Genua an Backbord, ausgebaumt mit Topnant und Niederholer, zu segeln – und der Windpilot steuert. Bei um 11 kn Wind (3-4 Bft) wird es eine angenehme Reise.

Gleich am nächsten Tag segeln wir weiter, Hiddensee ruft! Mal ‚kurz um die Ecke‘ von Kap Arkona, bei SW 3-4, müssen wir aufkreuzen. Das führt wegen der befürchteten Knappheit an Liegeplätzen in Kloster zur Ungeduld bei Chrissie.

Am Dienstag, 27. Juli, gegen 13.30 Uhr machen wir in einer der letzten Boxen in Kloster fest; es ist ein gutes Gefühl: Wie zuhause angekommen.

Hier pfeffert und pfeift es drei Tage, von Donnerstag, dem 29. bis Samstag Nacht, 31. Juli, aus W-SW bis 35 kn (8 Bft). Kaum ein Boot, das nicht wirklich muss, verlässt den Hafen.

Wir sind froh über die Entscheidung wieder nach Hiddensee gegangen zu sein – bei SW Sturm ist der Hafen Kloster sicher.

Wir erwarten Enkel Arne in der kommenden Woche; in der Planung sind kleinere Schläge je nach Wetterlage.

Herzliche Grüße an alle Daheim gebliebenen.

Guten Wind und immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel.

August 2021

 

Ralf und Chrissie vom Sturmvogel, z.Zt. in Kloster auf Hiddensee

Zurück auf Hiddensee

Nach drei Wochen Aufenthalt in Dänemark und Schweden; in sechs Häfen und auf einem Ankerplatz, sind wir am Dienstag 1.September von der Südküste Schwedens zurück nach Kloster auf Hiddensee mehr geschaukelt und gerollt als schön gesegelt.

Am Donnerstag, dem 23. Juli, kommt Arne in Stralsund an Bord. Gleich als Einstand fängt er, der passionierte Angler, einen Barsch als Vorspeise zum Abendessen. Freitag wird das Boot verproviantiert und am Samstag geht‘s durch den Strelasund über den Greifswalder Bodden bei wenig Wind und Motorunterstützung in die Having und weiter bis Sellin.

Crew-Wechsel in Wolgast: Am Dienstag, dem 7. Juli, kommt Chrissie an Bord. Nach einem Hafentag startet der Donnerstag mit einem Irrtum: Um 08:45 Uhr wollen wir die Wolgaster Brücke passieren. Außer uns ist niemand da, das überrascht den Skipper. Tja, der Brückenzug war bereits um 7.45 h. Jetzt haben wir Zeit bis 12:45; das reicht für einen Gang zum Bäcker am Marktplatz, und um über unser nächstes Ziel nachzudenken. Wenig Wind und Regenwetter sind vorhergesagt. Statt für Seedorf oder den neuen Hafen Sellin entscheiden wir uns für Greifswald. Das verspricht auch bei Regenwetter Abwechslung, und von Wieck aus könnten wir mit dem Bus bequem in die Stadt fahren.

Kein großes Vergnügen bereitet uns die Fahrt Richtung Greifswald unter Motor im Landregen, doch vor der historischen Klappbrücke von Wieck finden wir einen guten Liegeplatz.

Ein Regentag in der Mahagonihöhle folgt. Tags darauf bei handigem Wetter werden die Räder ausgepackt, und wir radeln entlang der Ryck in die Stadt. In einem Café am eigentlich hübschen Marktplatz haben wir ein zweifelhaftes Vergnügen an Eisbecher und Sandwich, Lieferwagen verstellen den Blick auf das Markttreiben. Wir stocken unser Internetguthaben und Lebensmittel auf und im sehenswerten Haus der Universitätsbuchhandlung Leselektüre. Auf dem Rückweg geht‘s entlang des  Museumshafens mit seinen teils historischen Werften und Schiffen.  

Die Vorhersage für Sonntag, dem 12.Juli verspricht moderaten Wind und Sonne für unsere Überfahrt Richtung Sellin. Schon in der Hafenausfahrt sehen wir immer dunkler werdende Wolkenbänke, rund herum gibt‘s heftige Regenschauer mit Böen bis 24 kn (Beaufort 6) die auch uns erwischen. Bei diesen Windverhältnissen ist der Hafen von Sellin nicht empfehlenswert, naheliegend entscheiden wir uns für Seedorf. Am Forellensteg machen wir fest für saftige Liegegebühren von 17 €. Eine Wanderung führt uns nach Moritzdorf und weiter durch Baabe nach Sellin, per Bus und zu Fuß geht‘s bald wieder plattgelaufen zurück nach Seedorf zum Boot.

Am Dienstag wollen wir nach Stralsund, die Brücken-öffnung um 15.20 Uhr erwarten mit uns viele andere Segler, entsprechend groß ist der Andrang auf Liegeplätze an der Nord-mole. Der Skipper scheut die Boxensuche in den engen Gassen, und so motoren wir weiter – noch zwei Stunden nach Schaprode. Nach einem leckeren Abendessen draußen in Schillings Gasthaus setzt ergiebiger Landregen ein, nachts trommelt es heftig aufs Deck, und wir verbringen den nächsten Regentag in der Höhle. Donnerstagmorgen soll es nach Kloster auf Hiddensee gehen, die Rechnung geht auf und wir erwischen einen der letzten Liegeplätze, um 10 Uhr!!

Gestartet am Montag d. 29.Juni 2020 um 16 Uhr, schleusen wir in Lehnitz mit dem letzten Hub und übernachten oben an dem Wartefestmacher. Um 6 Uhr morgens geht es weiter. Wenig Schiffsverkehr; eine heikle Situation an der großen Baustelle vor Eberswalde, als ein Schuber quer im Fahrwasser in Postion an einen Bagger gebracht wird. Ich kringele und wartete ab. Der Schiffer zeigt mir beim Vorbeifahren seine blaue Tafel (Steuerbord an Steuerbord passieren) und ruft dann freundlich ‚...so war‘s auch gut‘.

Ausgebremst in Karlskrona, Sonntag, 11. August 2019

Start bei 30 Grad am Dienstag, dem 11. Juni, nachmittags. Die Spandauer Schleuse ist geschlossen, das erfordert den Umweg über die Schleusen Charlottenburg und Plötzensee. Die Bombenfundstelle vor dem Lehnitzsee passieren wir ohne Probleme unter Deck, der Sturmvogel wird mit Steuerleinen sicher gelenkt, wir sehen ausreichend durch die Seitenscheiben. Enttäuschung: Die Wasserschutzpolizei ist nicht in Sicht. An der oberen Warteposition der Schleuse Lehnitz übernachten wir, heftige und stundenlange Gewitter mit Starkregen toben über uns.

Bei großer Hitze Weiterfahrt bis Gartz, Jürgen heuert ab und fährt zurück nach Berlin. Weiter geht’s zu zweit.

Am 13. Juni den Mast im AZS (Stettin) gestellt und Weiterfahrt am 15. nach Swinemünde bei achterlichem und bis zu 25 kn (Beaufort 6) Wind mit gerefften Segeln. Der Bordingenieur ist gefragt: Die Druckleitung tropft und eineinhalb Liter Diesel schwappt in der Motorbilge. Die Tropfstelle wird auseinander geschraubt, gesäubert und kräftig angezogen. Alles bleibt von nun an trocken.

Am Sonntag, 16. Juni, startet unser erster Versuch nach Bornholm zu segeln. Bis zu 25 kn Wind, Welle ca. 1,5 m, eine äußerst ruppige See und beginnende Seekrankheit lässt uns nach zehn Meilen umkehren, und wir legen einen Hafentag mit Bummeln durch Swinemünde und einem frühnachmittäglichen Cocktail ein. Am Dienstag segeln wir bei sehr viel angenehmeren Bedingungen in 12 Stunden nach Rönne/Bornholm. Nach einem Einkauf, auch im Fischgeschäft, gehen wir weiter nach Hammerhavn und machen das erste Mal in unserem Seglerleben mit Hilfe netter Menschen an einer Muringleine fest. Zwei Tage gönnen wir uns für die touristischen Highlights: Wanderung zum Opalsee und weiter nach Sandvig, dann natürlich auch der Weg zur Burgruine Hammershus.

Samstag, 22.Juni, vor der Hafenausfahrt im Kampf gegen hohe Grundseen wird das Groß gesetzt, bei NW 4 Bft schnelle Fahrt bei Halbwind, später raumt der Wind, Genua wird geborgen und Groß mit Bullenstander gesichert. Nach 11 Stunden fest im Karlskrona Stadthafen. Es ist Mittsommer-Feiertag, die meisten Läden sind geschlossen, ebenso Lidl hinter dem Bahnhof, nicht so die berüchtigte Eisdiele.

Sonntag, 23. Juni, vollgetankt und Fahrt im inneren Fahrwasser nach Sandhamn. Im originellen Hamnkrog vom umtriebigen Wirt leckere Fish & Chips bei tschechischem Bier für 500 Kronen genossen. Nächsten Tag geht’s weiter nach Kristianopel. Auf der nahen Bühne spielt eine Band mit Sängerin zum Tanz auf, eine ansteckend, fröhliche Sommerabend Atmosphäre.

Am Dienstag wird bei wenig Wind der Spi gesetzt, doch es reicht nicht bis Kalmar, wir laufen Mörbylonga an; ein ruhiger Hafen und sehr freundliches Hafenmeisterpaar. Der Skipper nimmt ein erstes Bad im Meer, und großes Wäschewaschen folgt.

Nächsten Tag geht’s nach Kalmar unter Motor, hier treffen wir die SY 'PrimaDonna'. Zwei Abende verbringen wir mit ihnen.

Freitagmittag, 28. Juni, machen wir los mit dem Ziel Sandvik auf Öland. Nachlassender Wind lässt uns in Borgholm einlaufen. Intensiver Soundcheck für ein Festival ist ein Anschlag auf die Ohren und verleidet den Hafen. Sehr früh am Morgen lösen wir die Leinen, Kurs Nord, Ziel ist die Insel Spärö. Anfangs gute Fahrt mit Raumschotsbrise, später raumend, dann nachlassend, schlussendlich unter Motor. Gut geschützt verbringen wir unsere erste, ruhige Nacht vor Anker.

Bei zunehmendem Wind - wir sehen 20 kn auf dem neu eingebauten Windmesser - rauschen wir außerhalb der Schären mit Kurs NNE, und nach 20 nm ins innere Fahrwasser bei der Insel Kvädö zum Naturreservat Stora Älö. Leider reicht der öffentliche Anleger nur für zwei Boote und ist schon besetzt, wir ankern frei. Die Temperatur steigt auf fast 30°, Erfrischung bringt ein Bad. Eine westliche Winddrehung zwingt uns, den Platz zu verlassen. Auch am zweiten Ankerplatz treffen heftige Böen seitlich auf das Boot. Der dritte Ankerplatz scheint geschützter, doch halten wir bis 0:30 h sicherheitshalber
Ankerwache.

Am Montag, 1. Juli, segeln wir im inneren Fahrwasser bei bis zu 30 kn (Bft 6) Wind mit gereffter Fock nach Arkösund und machen im Verein NSS fest. Ein Regentag folgt; gut um im etwas sehr bescheidenen Laden einzukaufen, das Boot zu putzen und faul zu lenzen.

Mittwoch, 3. Juli, richten wir unseren Kurs nach Landsort bei WSW bis 20 kn (5 Bft) und bis zu 7,2 kn Fahrt vorm Wind, dann gehen wir westlich von Öja nach Nord an den Fiskehamn Anleger Ankarudden. Tags darauf drückt uns Starkwind an die Reifen der Betonpier und nur mit Hilfe von zwei freundlichen Männern gelingt das Ablegemanöver. Nach 10 nm, erst mit Kurs Ost, dann Nord, erreichen wir den Gästehafen Nynäshamn im Regen. Höchsttemperatur 14°, nachts 8°. Zwei kleine, neugierige Fische muss der Bordingenieur aus der verstopften Klopumpe entfernen.
Am Nachmittag freuen wir uns auf das Eintreffen der 'Orion 3', wir begrüßen sie mit Sekt und Schnittchen. Ein Klönabend folgt an Bord des 'Sturmvogel' mit Quiche, leckerem, selbstgebackenem Brot, Salat und reichlich Wein.

Am Sonntag, 7. Juli, fahren wir mit dem Zug nach Stockholm, schlendern drei Stunden über den Ostteil von Kungsholmen mit dem Rådhuset, über Riddarholmen in die mit vielen anderen Touristen gefüllte Gamla Stan (Altstadt). Zurück zum Bahnhof, fahren wir nach Arlanda, um unser neues Crewmitglied Arne, 10 Jahre alt und Enkel Nr. 5, vom Flughafen abzuholen.

Schon Montag laufen wir jetzt zu dritt zu dem 18 Seemeilen entfernten Ankerplatz vor Brevik auf Ornö aus. Arne sprüht vor Energie, er will das Dinghi rudern und angeln. Wir sind gefordert von Arnes Lebendigkeit, ungewohnt nach den Wochen zu zweit. Das Wetter ist allerdings bescheiden, immer noch starker N-Wind, sehr kühl mit 15 Grad unter dunklen Wolken. Nächsten Tag geht’s nach Dalarö, wo Arne nächste, leider vergebliche Angelversuche unternimmt, wir gehen einkaufen und in der berühmten Bageri Kaffee trinken. Ralf und Arne nutzen am Abend begeistert die Sauna.

Mittwoch segeln wir in die beliebte und ideale Bucht Napoleonviken, mit Heckanker an 30 m Leine und ebenso langen Bugleinen, die Arne mit einem Sprung auf den Felsen um zwei Bäume ausbringt. Nachmittags füllt sich die Bucht zusehends, aber es ist herrlich ruhig, und Arne geht mit Dinghi auf Expeditionen, landet auf den umliegenden Eilanden an, klettert auf steile Felsen, sammelt sogar Blaubeeren. Er ist begeistert von all seinen Aktivitäten! Er lernt den Palstek zu knoten und nach mehreren Versuchen hat er Erfolg.

Nach einem zweiten Tag in dieser Bucht motoren wir mangels Wind am Freitag, 12. Juli, nach Stockholm und machen mit Arnes handfester Hilfe fest im betriebsamen Wasahamn. Sogleich besuchen Skipper und Arne das interessante Wasamuseum. Am
nächsten und letzten Tag für Arne steht Skansen auf dem Programm. Sonntag geht sein Flug zurück nach Berlin.

Heute, Montag, dem 15. Juli, zu zweit durch zunehmenden, ergiebigen Regen getigert und den geplanten Besuch des Fotografiska aufgegeben; die riesige Baustelle zwischen Slussen und Gamla Stan, wo eine Brücke durch zwei andere ersetzt wird, hätte einen weiten Umweg erfordert. Es ist Whisky-Wetter und der trockene Salon mit wärmender Lampe lockt uns zurück zum Boot.

Herzliche Grüße an alle nah und fern, fairen Wind und immer eine handbreit Wasser
unterm Kiel.

Die Crew vom Sturmvogel

Am Sonntag, 5. August, kommt diese Meldung abwechselnd aus der Mahagonihöhle und vom Sonnendeck des Sturmvogels im Hafen von Barhöft. Wie und warum wir hier hingekommen sind?

Gilleleje, 16. Juli bis 21. Juli 2017

Nach zwölf meist entspannten Tagen auf Hiddensee mit kulturellen Höhepunkten, einem Konzert mit Barock-Musik des Ensembles Tabula Rasa in der Kirche von Kloster, einer kenntnisreichen Führung durch das Asta-Nielsen-Haus mit Erläuterungen zu den von Max Taut auf Hiddensee gebauten Häusern durch Jana Leistner, und auch Sonnen- und kurzem Ostseebaden (wegen eisiger Wassertemperatur), einem verregneten Mittwoch mit versöhnlicher Abendsonne, einem Donnerstag mit Starkwind können wir uns von der Insel loseisen.

Freitag, 7. Juli 2017, Kloster auf Hiddensee

Diese Meldung kommt aus der Mahagoni-Höhle, dem Bauch des Sturmvogels. Wir sind nun 2 Wochen unterwegs und hatten gestern den ersten schönen Tag mit Sonne und angenehmen Temperaturen. Und wenn der kühle Nordwest Wind nicht gewesen wäre, hätte Chrissie auch längere Zeit am Strand verbracht und nicht nur einmal gebadet, bei gefühlten 15° Wassertemperatur.