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Eingefangene Gedanken zu Boris Herrmanns Vendée Globe

Seit gestern Vormittag (Do. 28. Jan. 2021) ist Boris Herrmann (39 J.) im Ziel - nach 80 Tagen, 14 Stunden und 15 Minuten allein auf See erreicht er den westfranzösischen Start- und Zielhafen Les Sables d´Olonne. Er beendet das Rennen als 5. und hat somit eine seiner Missionen erfüllt. „A Race We Must Win“, das Rennen gegen die Klimaerwärmung läuft weiter.

Er hat uns alle teilnehmen lassen an dieser – SEINER - Vendée Globe, die der Höhepunkt seines bisherigen ereignisreichen Seglerlebens ist. Ich persönlich durfte besonders nah dran sein, da ich Mitglied in seiner WhatsApp-Gruppe war. So feuerte ich ihn an oder bremste auch mal die Emotionen.

Der Tagesspiegel schrieb gestern: „Etwas alleine zu machen ist immer auch eine Abkehr, man wendet sich ab von allen Anderen - Zurückgebliebenen, geliebten Menschen oder auch solchen, die es nicht verstehen und von den Regeln der Gemeinschaft. Es gibt nur eine Sache, die dieses rechtfertigt: Erfolg. Teilnehmerin Pip Hare beschreibt den Reiz des Solosegelns wie folgt: „Es erlaubt mir die beste Version von mir selbst zu werden.

In einem Podcast erzählte Boris Herrmann, er habe nie einen angenehmen Törn um die Welt erwartet, der in gewisser Weise Freude bereitet. Deswegen tritt man nicht bei einer Vendée Globe an. Vielmehr sei es wie eine Prüfung, der er sich in seinem Leben stellen wollte. Nun hat er seine Prüfung bestanden.

Er ließ sich weder durch die psychischen Belastungen der Rettungsaktion seines Mitstreiters Kevin Escoffier, durch quälende Einsamkeit, Höhenangst bei Arbeiten hoch oben im Mast bei starkem Wellengang, zerrissene Segel, Ausfall der Elektrik und der Hydraulikpumpe des Kantingkiels oder durch eine Kollision unmittelbar vor dem Ziel stoppen.

Jeder einzelne Tag sei eine neue Herausforderung gewesen. Dabei würden 90% der Mühen eigentlich sogar vor dem Start zum Rennen stattfinden. Die wahre Herausforderung liegt nach seiner Auffassung klar zwischen MENSCH – NATUR und TECHNIK.
Dieses Rennen habe ihn nun bestimmt verändert. Er habe viel gelernt über Geduld und das Vertrauen in Menschen und in sein Boot. Es sei ein seltsames Verhältnis zwischen Zeit und der Belohnung. Jetzt - im Ziel - seien die schönen Gefühle da!

Betrachtet man sein Rennen aus seglerischer Sicht, so ist er vor allem stabil und mit einer exzellenten Regelmäßigkeit gesegelt. Er hat an den richtigen Momenten gekämpft und Gas gegeben aber auch wieder gebremst, um sein Boot heil zu lassen. Dies war sicher ein Schlüssel für diesen Erfolg.

Schließlich hat er sogar noch einen Rat für all jene, die besonders unter der Pandemie und Einsamkeit leiden: „Ich habe öfter mal alte Bekannte angerufen, die ich lange nicht gesprochen hatte. Das tut gut und kann ich wirklich empfehlen.“

Über die letzten Wochen ist Boris Herrmann nun zu einem Medienstar geworden – der Sieger der Herzen – er hat gekonnt die Medien eingesetzt, um jeden an seinem Abenteuer teilnehmen zu lassen, er zeigte sich ehrlich und offen.

Was bleibt uns, wenn eines Tages dieser Hype um den Segelsport und seine Person abebbt und uns der normale Alltag wieder einholt?

Wir konnten erfahren, dass Boris Herrmann in frühen Kindertagen ein Buch verschlang, das Begeisterung in ihm gezündet hatte, wie das Licht einer Kerze, das nicht mehr ausgehen sollte. Dieses Buch handelte von der Vendée Globe – geschrieben von einem Kanadier (Derek Lundy), der sie aber selbst nie gesegelt war. Diese Begeisterung wurde für Boris zu einer Vision und ließ ihn seitdem nie wieder los.

Vielleicht nehmen wir also mit, dass es BEGEISTERUNG ist, die Nachwuchs erhält.

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“ (Antoine de Saint-Exupéry)

Dr. Melanie Aalburg

Hier ein Link zum Zieleinlauf auf Youtube und zu seiner Webseite: www.borisherrmannracing.com.

TIP: über die Vendé Globe wird viel berichtet. unter anderem auch z.B. am Sonntag, 31.01. im
ZDF SPORTreportageExtra, 17:10 - 17:55 Uhr, Vendée Globe – in 80 Tagen um die Welt Film von Nils Kaben und Hermann Valkyser

[Fotos: Pressefotos von borisherrmannracing.com/Yvan Zedda/Alea u.a.]

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