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Hei-Jo – down under

29.11.2019

Ein für uns aufregendes Segeljahr geht zu Ende. Anfang November 2018 haben wir Grenada verlassen und am 16.11.2019 sind wir in Australien angekommen. In 12 Monaten haben  wir 12597 sm zurückgelegt. Vom 1. November bis zum 1.Mai, also im australischen Sommer, ist Cyklonsaison, in der man sich am besten einen vermeintlich sicheren Platz  aussucht und abwartet. Unseren ursprünglichen Plan, uns südlich von 30° S aufzuhalten, haben wir aufgegeben. Das Wetter ist zu unbeständig und der Wind bläst immer wieder in Sturmstärke.

Wegen des ungewöhnlich schlechten Wetters  gestaltete sich der letzte Reiseabschnitt, 850 sm von Neukaledonien nach Australien,  recht spannend, denn das Wetter war und ist beklagenswert schlecht, und zwar seit nunmehr  5  Wochen. Große Tiefdruckgebiete ziehen die australische Küste hoch und kommen dem Hoch, das typischerweise den Westpazifik beherrscht, sehr nahe. Die Fronten bringen dementsprechend reichlich Wind mit sich. Über 40 kn Wind aus westlichen Richtungen sind dann keine Seltenheit.

Leider sind kurz vor unserer Abfahrt nach Australien, nun wohl endgültig,  beide Laptops ausgefallen, was bedeutet, dass wir keinen Wetterbericht hätten empfangen können und das AIS-Programm auch nicht funktioniert. Wenigstens den Wetterbericht wollten wir erhalten können. Für viel Geld haben wir notgedrungen in Noumea einen neuen Laptop erstanden. Nun musste natürlich das Airmailprogramm aufgespielt und mit dem Kurzwellengerät verbunden werden, was zunächst erstmal nicht klappte. Zum Glück haben wir Norbert, unsere Basis Berlin. Während einer Nightsession für uns, bei ihm war Vormittag, aktivierte er das Programm. Gott sei dank lief es dann fehlerfrei, so dass wir die Gribfiles und die Wetterberichte, die er an uns schickt, empfangen können. Da das Ganze nach unserer Zeitrechnung bis 3.00 Uhr nachts gedauert hat, haben wir uns die Zeit mit Biertrinken vertrieben, so dass wir anschließend stark angesäuselt in unsere Kojen gefallen sind.

 In Neukaledonien haben wir über 3 Wochen auf ein günstiges Wetterfenster gewartet und wieder einmal Glück gehabt. Wir sind zwischen 5 verschiedenen Fronten heil durchgekommen, mussten sogar in einer öligen Flaute 2 Tage motoren und anschließend 2 Tage kreuzen. Erst 100 sm  vor unserem Ziel Bunderberg (23° S, 156° E)  frischte der Wind ordentlich auf. Das gestaltete unsere Ankunft, die diesmal tatsächlich fast mit der passenden Tide und am Tage stattfand, noch einmal spannend. Die ca. 4 sm lange Einfahrtsrinne ist eng und führt ungeschützt über flaches Wasser. Die Strömung setzt quer zur Fahrrinne. Entsprechend chaotisch verhält sich der Seegang, wenn auch noch der Westwind gegen die entgegenkommende Tidenströmung weht. Seit unserer Ankunft bläst der Wind mit 25-35 kn, wirklich ungemütlich.

Vor der Einklarierung hatten wir große Bedenken. Neben Immigration und  Custom kommt auch noch die Biosecurity an Bord. Der Zoll erscheint normalerweise mit einem Drogenhund, bei uns zum Glück nicht.  Wegen der vielen Medikamente für Wolfgang, der Vorrat reicht immer für mindestens ein halbes Jahr, waren wir besorgt, ob wir Probleme bekommen. Alles wird nämlich genauestens registriert. Zuvor haben wir deshalb eine Liste erstellt, auf der jedes Medikament mit Mengenangabe exakt vermerkt wurde. Das gefiel der netter Zöllnerin gut und es wurden letztlich nur allerlei Schapps geöffnet und die Suche nach dem starken Schmerzmittel, das wir an Bord haben, wurde eingestellt, weil Claudia zwar intensiv unter der Schlafkoje gesucht hat, aber zunächst ohne Erfolg. Mit der alten Frau hatte der junge Zöllner wohl Mitleid. Von  einem bestimmten Alter an wird einem eben mehr geglaubt. Dann kam am Nachmittag auch noch die Dame von der Biosecurity an Bord.

Das Unterwasserschiff muss sauber sein. In Neukaledonien hatten wir es nochmals abgekratzt. Das durfte allerdings nicht in der Marina geschehen, sondern vor einer wunderhübschen kleinen Insel. In der Bucht, in der wir lagen, hatte es kurz zuvor einen üblen Angriff eines Bullsharks auf ein Kind gegeben. Die Haie stehen unter Naturschutz, dürfen nicht mehr bejagt werden und haben sich stark vermehrt.  Nach der Haiattacke wurden trotz der Naturschutzbestimmungen in der Bucht 20 Haie erlegt. Wir haben aber auch einen kleinen Kollegen in der Marina gesehen.

Bei  der Einreise  nach Australien darf nichts (!) Frisches an Bord sein, kein Obst oder Gemüse, keine Wurst, kein Fleisch (auch nicht in Dosen), keinerlei Milchprodukte, keine Eier, keine Nüsse, keine Kräuter und keinerlei Getier. Außerdem wird intensiv nach Holzschädlingen gefahndet. Um das alles auszuschließen, haben wir  in Noumea und vor unserer Ankunft eine ganze Flasche Giftspray verbraucht. Trotzdem krabbelten einen Tag vor unserer Ankunft drei Ameisen fröhlich im Cockpit herum. Panik! Ameisen  hatten wir noch nie an Bord.  Denen wurde umgehend der Garaus gemacht.

Letztlich verlief die Einklarierung völlig undramatisch, was man zuvor aber eben nicht weiß. Z.B. wurde bei einem Segler, der vor uns angekommen war, in der Bilge ein Termitenflügel gefunden, was eine unglaubliche Suchaktion auslöste. Das Schiff wurde auseinandergenommen und tatsächlich wurde ein zweiter Termitenflügel gefunden, nicht jedoch der Körper. Bei einem anderen wurden die Hülsenfrüchte konfisziert und ein weiterer musste die Marina verlassen und vor Anker gehen, weil man Rattenködel an Bord gefunden hatte. Es war tatsächlich eine Ratte an Bord, die dann eingefangen wurde.

Die Kontrollen   muss man natürlich auch noch bezahlen, in unserem Fall mit 200 €. Letztlich waren wir selig, die Einklarierung problemlos erledigt zu haben.

Unser erster Eindruck von der Marina Bunderberg ist sehr gut: freundlich, kompetent und sehr gepflegt. Hier werden wir unser Boot während der Wirbelstumsaison an Land stellen und eine Menge Wartungsarbeiten ausführen lassen oder soweit möglich allein durchführen. Wie bei allen anderen ist nach so vielen Seemeilen etliches verschlissen, ein Ruderlager klappert, die Ukw-Antenne ist defekt, die Lager der Rollfocks sind abgenutzt und müssen ersetzt werden, das Großsegel hat ein Paar Schamfilstellen, die ausgebessert werden müssen, die Ventile am Motor müssen neu eingestellt werden, neues Antifouling ist fällig… Es gibt viel zu tun. Wie sagte ein Brite bei einer Sundownerrunde treffend: “Wir sitzen hier hinten und gleichzeitig geht vorne schon wieder etwas kaputt.“ Der Trost besteht darin, dass alle mit diesen Dingen zu kämpfen haben, meist unabhängig von Alter und Design. Auch Hallberg und Rassys verlieren zuweilen ihren Mast.

Bunderberg ist eine mittelgroße Stadt im Süden von Queensland am Eingang zum Great Barrier Reef. Das Land ist flach und wird intensiv landwirtschaftlich genutzt. Hier wächst auch Zuckerrohr und in der Stadt gibt es die bedeutendste  Rumdestillerie Australiens.  Vieles wirkt wie im wilden Westen.  Nur die Kängurus, die einem auf dem Weg zum Supermarkt begegnen können, erinnern daran, dass man in Australien ist.  Der Flusslauf, an dem Bunderberg liegt, wird durch Mangroven begrenzt, in dem sich Salzwasserkrokodile wohl fühlen. Leider gibt es viele Schlangen, von denen die grünen wohl harmlos sind, die braunen jedoch sehr giftig. Vorletzte Woche würde eine in der Damentoilette gesichtet. Die spätere Suche brachte leider keinen Erfolg. Die Schlange blieb verschwunden. Man soll, bevor man sich aufs Klo setzt, vorsichtig die Brille anheben und nachschauen. Ggf. dann aber wahrscheinlich eine andere Toilette benutzen.

Die Küste ist mit vielen vorgelagerten  Inseln sehr reizvoll. Noch haben wir davon aber nichts gesehen, da wir  mit dem Ankommensstress zu tun haben, Einklarierung, in der Marina den Termin festmachen, wann und wie das Boot an Land kommt, Serviceleute aufsuchen, Termine vereinbaren, in den Supermarkt fahren und einen Großeinkauf erledigen, Wäsche waschen, Telefon aktivieren usw. Da bleibt Sightseeing erst einmal auf der Strecke. Das werden wir nachholen.

Wahrscheinlich werden wir im Winter für einige Wochen „zur Erholung“ nach Berlin kommen. Dann gibt es genauere Berichte. Wir wünschen allen einen schönen Winter. Bei uns sind heute übrigens 32 Grad.

Viele Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit

die Crew der Hei-Jo, z. ZT. Bunderberg, Australien

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