Seesegeln

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Grüße aus Nyköping

02.08.2019

Gestern sind wir in Nyköping angekommen. Die Fahrt führte in zwei Tagen von Nynäshamn mit einer Zwischenübernachtung auf der Insel Ringsön (Bucht Hummelviksfjärden) bei wunderbarem Wetter (leichter aber ausreichender Wind, Wärme, Sonne) unter Segeln durch teilweise enge Schärenfahrwasser. Eigentlich sollte es nach einem schwülheißen Tag Gewitter geben, aber es hat letzte Nacht nur geregnet und sich von 31° auf 13° abgekühlt. In Nyköping, einer „schnuckeligen“ 32tausend Einwohnerstadt mit langer Geschichte werden wir ein paar Tage bleiben. Diese idyllische Kleinstadt mit viel Atmosphäre hat für uns auch sonst einiges zu bieten.

Aber der Reihe nach: Unsere letzte Nachricht hatten wir vor einigen Wochen aus Nynäshamn geschickt. Ab hier breitet sich der „Stockholmer Schärengarten“ in seiner ganzen Pracht und Vielgestaltigkeit mit seinen unendlich vielen großen und kleinen, bewaldeten und nackten, steilen und flachen, lieblichen und schroffen, meist bizarr geformten Inseln aus. Manchmal nimmt man nicht ihren Anfang und ihr Ende wahr, manchmal erkennt man sie nur daran, dass sich die Wellen darüber brechen. Manche Schären laufen flach aus, an anderen ist es nur wenige Meter weiter 70 m oder 80 m tief.

Das Wasser ist klar, grün oder blau und zeigt bei ruhiger See intensive Spiegelungen, die die Inseln doppelt erscheinen lassen. Wir haben Orte mit so klangvollen Namen wie Kolnäsviken (eine unserer Lieblingsbuchten), Lökholmen, Krokholmsviken, Blidösund, Furusund, Norrtälje, Björkö, Arholma, Högmarsö, Ingmarsö und wieder einmal Lacka besucht. Ab dort schloss sich die Runde wieder im 4 sm (1 sm = 1 Seemeile = 1,8 km) südlich liegenden Nynäshamn.

Einige Orte haben wir bereits 2017 besucht und in Berichten unserer Reise von 2017 beschrieben. Dieses Jahr sind wir hin und wieder abseits der empfohlenen Wege gefahren, um einiges für uns Neues zu entdecken.

So zum Beispiel Lökholmen: Diese Insel liegt in Sichtweite von Sandhamn (möglicherweise durch die Krimiserie „Mord im Mittsommer“ oder durch Bücher von Viveca Sten bekannt, die in dieser Gegend spielen). Lökholmen ist eine reizvolle Schäre mit einem äußerst geschützten Naturhafen, einem Vereinshafen, der von hohen bewaldeten Felsen umgeben ist. Die Boote liegen an Stegen, die an den Felsen angebracht sind. Von Lökholmen aus sind wir mit einer kleinen Fähre nach Sandhamn gefahren und haben uns den Trubel angeschaut. Sandhamn ist in gewisser Weise sehr mondän, „man“ will sich und seine Riesenyacht oder sein PS-starkes Motorboot zeigen.

Furusund ist ein kleiner Ort auf einer gleichnamigen Insel am Fahrwasser zwischen Stockholm und den Ålandinseln. Im 19. Jahrhundert war Furusund ein beliebter Bade- und Kurort der Stockholmer „Gesellschaft“. Villen, Herrenhäuser und Badehäuser lassen diese Zeit sehr gegenwärtig erscheinen; so viele schwedische Traumhäuser! Man kann auf den Spuren von August Strindberg und Astrid Lindgren wandeln, die hier zu einigen ihrer Werke inspiriert wurden. Wir nutzten zudem die Gelegenheit, eine Bekannte zu besuchen, deren Familie in Furusund ein Haus besitzt.

Björkö ist eine Insel westlich von Arholma. Eine langgezogene, gewundene Bucht bietet in alle Richtungen Schutz. Ein finnischer Segler hatten sie uns empfohlen, sie wird in den gängigen Schwedenführern nicht beschrieben. Wir fanden eine Stelle, an der wir vor einer Felswand mit anschließendem Schilf als einziges Schiff weit und breit ankern konnten, einfach herrlich! Nur ein Fuchs war auf seiner abendlichen Inspektionstour zu sehen, ließ sich aber von unserer Anwesenheit nicht stören und zog seines Weges. In den Buchten des nahe gelegenen Arholma herrschte dagegen viel Trubel.

Högmarsö: Welches war unsere schönste Bucht? Kann man das überhaupt beantworten? Jedenfalls nimmt Högmarsö eine Spitzenstellung ein. – Von Arholma sind wir wenige Meilen in den Furusund, die Hauptwasserstraße zwischen Stockholm und der gleichnamigen Insel und Stadt, gefahren und dann nach Norden abgebogen. Hier empfing uns eine eigene, ganz besondere Schärenlandschaft: Kaum Wind, Sonnenschein, glattes Wasser und darin scheinbar schwimmend eine Vielzahl dicht bewaldeter, augenscheinlich flacher Inseln. Wir hatten uns die Norrviken von Högmarsö als Ankerplatz ausgesucht, nicht direkt eine Bucht, vielmehr ein Binnensee, in den man nur durch eine enge Passage mit einer Wassertiefe von max. 2,50 m gelangen kann. Nur 1,5 sm abseits der außerordentlich dicht befahrenen Furusund-Wasserstraße – Motor- und Segelboote, riesige Fähren und Kreuzfahrer von und nach Stockholm – eröffnete sich eine abgeschiedene Welt, in der außer uns nur eine weitere Segelyacht ankerte. Die atemberaubende Ruhe wurde nur durch das Röhren eines aufgebrachten Rehbocks unterbrochen.

Ingmarsö ist ein kleiner überlaufener Yachthafen südlich des Furusundes, der alles bietet, was man nach einigen Tagen in Buchten so braucht: Wasser (in Kanistern zu holen), Strom, Brot, etc. Es ist aber nicht unbedingt ein Ziel, das man besucht haben muss.

Aus 2017 war uns bereits Norrtälje bekannt. Norrtälje ist eine hübsche nette Kleinstadt mit vielen Cafés und Restaurants, gepflegten Parkanlagen. Im Hafen wurden wir vom nahe gelegenen Restaurant abends mit dezenter Livemusik verwöhnt.

Und wieder einmal Lacka: Lacka ist eine kleine baumbestandene Felseninsel und gehört dem Nynäshamn Seglerverein. Wir wurden dort sehr gastfreundlich empfangen. Diese Insel hat einige Besonderheiten: Vor etlichen Jahren hatte sich hier auf dem vorgelagerten Flach ein russisches U-Boot festgefahren (nicht die sehr bekannte und brisante Affäre in Karlskrona!). In Erinnerung daran hat der Segelverein dort Halteverbotsschilder aufgestellt.

Eine weitere Besonderheit ist, dass es auf der Insel einen kleinen Sandstrand gibt, der vor allem für Kinder sehr attraktiv ist. Einen prägenden Eindruck haben – nicht nur dort - die vielen Kinder jeden Alters in ihren orangefarbenen Schwimmwesten hinterlassen.

Und drittens: Es gibt einen Schwimmsteg mit Heckbojen (sehr komfortabel, um Boote festzumachen), Torfklo, Grillplatz, Sauna, Kinderspielplatz, wunderschöne Spazierwege, dieses Jahr jede Menge Blaubeeren und das alles für 750 SEK (= 7,50 €), die man in einen Umschlag steckt und in einen Briefkasten in einer kleinen Bretterbude/Hafenbüro steckt.

Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt.

Ja, und das Wetter? Nach dem Temperatursturz Anfang Juli war es einige Tage sehr kalt, in den Nächten um 10°C, die Tageshöchsttemperatur lag bei 14°C bis 16°C. Und dann erreichte uns die nächste Hitzewelle; es ging bis auf 31°C hoch. Der Wind war meistens schwach, oft zu schwach zum Segeln. Dies brachte uns dazu, nur relativ kurze Etappen zu wählen, die Ziele nicht in allzu weiter Entfernung anzusteuern, denn bei leichtem Wind können beispielsweise aus einer Segeltour, die üblicherweise 4 Stunden dauern würde, durchaus 7 Stunden und mehr werden. Bei diesen Wetterbedingungen ist außer segeln also auch schwimmen angesagt, oder wir erkunden die Gegend von unserem Beiboot aus.

Und nicht zu vergessen: es gibt hier die schönsten und längsten Sonnenuntergänge, die man sich vorstellen kann.

Liebe Grüße

Die Crew der PrimaDonna

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