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In Französisch Polynesien: Marquesas - Tuamotus

09.06.2019

Marquesas

Fast 7 Wochen haben wir auf den Marquesas zugebracht, viel länger als wir eigentlich wollten. Aber wie das im Leben so ist, der Mensch denkt und die deutsche Post und der polynesische Zoll lenken.

 Auf dem Weg zu den Marquesas hatte sich leider unser Autopilot verabschiedet. Ein Kondensator im Bedienpanel rollte uns, als wir das Gerät öffneten, entgegen.

Leider gibt es unser Modell nicht mehr, aber schnell fanden wir heraus, dass dies Teil Secondhand bei Ebay in den USA angeboten wird, allerdings wird es nur in den USA versandt. Zum Glück hat Neffe Det in Hamburg über Niemeyer ein Originalersatzteil aufgetrieben und aus Holland bestellt (3 Tage). Dann wurde es zu DHL gebracht mit der Auflage, dies Teil möglichst schnell nach Hiva Oa zu liefern. Leider kennt DHL die eigenen Beschriftungen nicht. „Premium Prioryty/beschleunigte Beförderung“ bedeutet nicht „schnellstmögliche Beförderung“, wie man annehmen könnte, dafür müsste „Express International“ genommen werden. So sollte das Päckchen nicht nach 6 Tagen, sondern nach 3 Wochen ankommen. Leider ist der polynesische Zoll dann auch nicht von der schnellen Truppe gewesen. Jedes Päckchen wird genauestens untersucht, und dabei hat man  festgestellt, dass es sich bei unserem Bedienpanel für eine Selbsteueranlage eindeutig um ein UKW-Gerät handeln müsse, das dann noch zu einer technischen Überprüfung sollte. Da wir zwei Agenten hatten, einen in Tahiti und einen vor Ort, gelang es , diesen Irrtum aufzuklären. Letztlich hat das Unterfangen über 4 Wochen gedauert und unsere Nerven strapaziert, denn zwischenzeitlich gab es immer wieder einiges zu klären. Man konnte sich kaum vom Ort wegbewegen, denn täglich gab es etwas Neues.

Leider ist der Hafen Atuona auf Hiva OA mit Vorsicht zu genießen. Der Ankergrund ist weicher stinkender Schlick und hält nur bedingt. Die Yachten müssen wegen Platzmangels vor Bug- und Heckanker liegen, weil kein Platz zum Schwoijen vorhanden ist. Die Heckanker halten schlecht. Wegen des Platzmangels werden die Anker auch gerne über die vorhandenen geworfen. Das ganze wird dadurch gewürzt, dass mitunter ein sehr hoher Schwell in den Hafen läuft. Leider kann man auf den Besuch Atuonas kaum verzichten, denn hier muss einklariert werden, und man kann die Vorräte aufstocken.

Zum Glück ist man ja in Frankreich und so gibt es vielerlei Leckereien wie Baguette, Salami und Camembert, wenn das Versorgungsschiff da war sogar Quark, und v.a. Obst und Gemüse, alles allerdings zu gepfefferten Preisen. Das gilt leider auch für das Bier (2,50 € pro Dose) und unsere Vorräte aus Panama wurden während der Wartezeit  ausgetrunken. Einige Grundnahrungsmittel werden subventioniert (Baguette, Öl, Spaghetti…),  aber wie die Einheimischen mit den Preisen zurechtkommen, weiß man nicht.

Während unserer Wartezeit sind wir dennoch für eine Woche zu der Nachbarinsel Tahuata in eine Traumbucht gefahren, um echtes Südseefeeling zu genießen: wenige Ankerlieger, schmale Bucht, heller Sandstrand, Palmen, auf den Bergen wild lebende Ziegen, im türkisblauen Wasser Korallenfische, Mantas, Haie… Dort haben wir unser Unterwasserschiff gereinigt und Urlaub gemacht.

Leider darf man die Fische nicht essen, weil sie ein Nervengift enthalten und man an Ciguatera erkranken kann. Dieses Nervengift verursacht nicht nur Übelkeit und Durchfall, sondern Taubheitsgefühle in den Extremitäten, und in schlimmen Fällen kann man daran sterben. So gibt es in den Geschäften  ausschließlich Thunfisch zu kaufen, der allerdings sehr lecker ist.

Eines  Morgens kam eine französische Yacht in den Hafen mit einem Seglerpaar an Bord, die geangelt und den falschen Fisch gegessen hatten. Sie waren nicht mehr in der Lage, ihr Schiff zu verankern und baten im Vorbeifahren um Hilfe. Mit unserem kleinen Dinghi brachten wir beide an Land und fanden jemanden, der sie zum Hospital fuhr. Meiner Zusicherung, wir würden uns um das Boot kümmern, mussten sofort Taten folgen, denn der Anker begann sofort zu slippen. Mit anderen Seglern gemeinsam wurde das Boot verlegt, was nicht so einfach war, denn erst ließ sich der Motor nicht starten und dann hatte sich der Anker in der Kette einer anderen Yacht verfangen. Aber mit Hilfe einer internationalen Besatzung würde das Boot vor dem Hafen sicher verankert.

Tuamotus

Nach unserem Ausflug zurück im Hafen von Atuona kamen einige deutsche Yachten an, mit denen wir einige Male nett zusammensaßen und dann.. .war plötzlich das Päckchen da. Einkaufen, Wasser an Bord transportieren und dann verließen wir endlich den Hafen von Atuona, um nach kleinen Stopps auf Tahuata uns auf den Weg zu den Tuamotus zu machen, wo wir wenigstens ein Atoll besuchen wollten. Das ist aber mal wieder schwieriger als gedacht gewesen.

In gut 500 sm Entfernung liegt diese sich von SO nach NW über 800 sm erstreckende Inselgruppe, die aus flachen Korallenatollen besteht, die man höchstens aus 5 sm Entfernung sehen kann, nachts natürlich gar nicht. Um in das Innere eines Atolls zu gelangen, muss man durch einen Pass fahren, in dem erhebliche Strömungen (6 kn oder mehr) entstehen können. Deshalb muss man mit der passenden Tide hineinfahren, was bedeutet, dass man die Tide hoffentlich mit sich hat, die Windsee und der Schwell einem aber entgegen kommen, was einen hässlichen Seegang und Stromwirbel hervorruft. Dank eines sehr guten Tidenprogramms, das wir von einem holländischen Segler bekommen haben, hatten wir errechnet, dass wir am 3.6.19 gegen 10.00 Uhr Ortszeit Stillwasser haben sollten, was die beste Zeit zu Durchfahrt ist.  Das bedeutete aber leider für uns, dass wir für die letzten 110 sm 40 Stunden verbrauchen mussten. Also wurde die Geschwindigkeit radikal reduziert und wir dümpelten unserem Ziel entgegen. Das war auch deshalb bedauerlich, weil wir gerade gute Fahrt machten und zum ersten Mal seit Europa Vollzeug führten. Am Schluss fuhren wir nur noch unter der fast vollständig weggerefften Genua. Um dem Ganzen noch etwas mehr Würze zu verleihen, zog in der Nacht vor unserer Ankunft gerade querab der ersten Insel eine Front über uns hinweg, die uns neben Wetterleuchten auch 8 Beaufort brachte. Letztlich standen wir am 3.6.19 genau um 10.00 Uhr Ortszeit vor dem Pass und fuhren bei wenig Wind problemlos hindurch.

Fakarava ist das zweitgrößte Atoll der Tuamotus und verfügt über touristische Infrastruktur (kleiner Flughafen, kleiner Supermarkt, spektakuläre Tauch- und Schnorchelreviere, einige Restaurants…). Im Inneren des Riffs ist das Wasser ruhig, nur der Wind bläst ungebremst über den superflachen ca. 0,2 sm breiten  Atollkranz.  Fakarava liegt auf direktem Weg nach Tahiti und ist ein Hotspot der Segler. Aber es gibt immer noch weniger belebte Atolle, allerdings sind sie dann häufig schwieriger anzulaufen. Da wir auf Rentnertour sind, reicht uns das eine Atoll, das diverse Ankerplätze bietet, auch weniger belebte und paradiesisch schöne.

Das Ankern ist allerdings ziemlich trickreich. Man muss versuchen, den Anker in einen Sandflecken zu legen und einzufahren. Damit sich die Kette nicht um die Korallenstöcke legt, wird sie dann mittels Fendern oder Fischerkugeln hochgehalten, so dass sie sich nicht um die Korallenstöcke wickeln kann, die leider zwischen den Sandflecken liegen. Dann bekommt man den Anker hoffentlich problemlos wieder heraus. Lerne: Die Koralle ist der Feind des Ankers und seiner Kette. Auch Paradiese sind eben nicht vollkommen.

Fische jeder Art gibt es in unglaublichen Mengen, blau, türkis, gelb, groß und klein, für Claudia eigentlich zu viele und dicht bei. An unserem Schiffsrumpf haben sich drei Schiffshalterfische eingerichtet,  und vom Strand aus kann man mittelgroße Haie beobachten, die mit ihren Bäuchen schon auf dem Korallengrund schaben.

Heute morgen haben wir ein Baguette ins Cockpit geschleudert bekommen. Wir wissen aber noch nicht, wer der Spender war. Gestern wurde die Flasche Sekt geleert, die für unseren 36. Hochzeitstag aufbewahrt und noch nicht getrunken wurde,  weil wir an diesem Tag auf See waren. Man hat zu tun.

In ca. einer Woche geht es weiter nach Tahiti, wo einiges Organisatorische auf dem Programm steht. Das ist nur noch 220 sm entfernt. Die Zeitdifferenz zu Berlin beträgt nun 12 Stunden. Somit sind wir jetzt wirklich bei Berlins Antipoden gelandet.

Wir hoffen, dass euer Sommer wie unser Winter wird und wünschen allen eine schöne Segelsaison von Bord der Hei-Jo, z.Zt. Fakarava/Tuamotus

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