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HeiJo: Vom Atlantik in den Pazifik

HeiJo 08.02.2019

Liebe Stössenseeer

Nach etlichen Wochen im wunderbaren Panama schwimmen wir nun im östlichsten Winkel des Pazifiks. Hinter uns liegt der Panamakanal -uf- geschafft. Ein aufregender und teurer Reiseabschnitt.

Von Curaçao nach Panama

Die letzten Wochen nach unserer Abfahrt aus Curaçao sind wieder wie im Flüge vergangen. Wie befürchtet, hatten es die 800 sm von Curaçao nach Panama in sich. Nach dem ersten Tag mit herrlichem Passatsegeln hatten wir drei Tage lang um 30 kn Wind, was eigentlich bei der Windrichtung (N-NE) kein Problem ist. Aber leider ist der Seegang sehr hoch und steil. Nach Angaben des National Hurricane Centers, des amerikanischen Wetterdienstes, zwischen 8-12 Fuss Schwell. Da die Seen keinen Platz zum Auslaufen haben, hier ist der Atlantik eben zu Ende, stauen sie sich auf und werden kürzer sowie steiler. Nach schneller Reise konnten wir problemlos die Linton Bay, 30 sm vor Colon (Einfahrt zum Panamakanal) anlaufen. Interessanterweise liess der Seegang auf dem flacheren Wasser nach und diesmal kamen wir auch bei Tage an. Die Ansteuerung ist eigentlich einfach, doch die Riffe sollte man doch lieber bei Tageslicht ausmachen.

Oh wie schön ist Panama 

In Linton Bay liegt man zwar zwischen Mangroven im Dschungelgebiet, aber es gibt viele Boote (200), die vor Anker oder in einer kleinen Marina liegen. Von hier aus lässt sich bequem der Behördenkram erledigen, was bedeutet zunächst ein Cruising Permit für 205 $ zu erwerben und dann mit einem bunten Bus ins 30 km entfernte Portobelo zu fahren und einen Einreisestempel in den Pass zu bekommen. Die Marina liegt etwas abgelegen in einem Naturschutzgebiet. Auf dem Weg zum Minisupermarkt kann man Affen, Eichhörnchen und Faultiere beobachten. Einheimische haben im Straßengraben eine große schwarze Schlange ausgemacht und sie, da sie zu nahe bei Häusern war, getötet.

10 Tage waren wir bei den Kuna-Indianern, was wirklich toll war. Beeindruckende Menschen, klein, freundlich, friedlich, billige Langusten, Fisch, Palmen und Sandstrand, 365 Inseln und im Hintergrund der Dschungel. Die Frauen verwalten das Geld, die Männer wechseln bei der Heirat in die Familie der Frau, die sich den Mann aussucht. Es gibt aber männliche Chiefs und Medizinmänner. Es ist ein wunderbares Tauch- und Schnorchelgebiet. Allerdings tauchen hin und wieder Salzwasserkrokodile auf.

Gegenüber der Hafenstadt Colon, an der Einfahrt zum Panamakanal, liegt die Shelter Bay Marina, in die die meisten Segler gehen, bevor sie durch den Kanal fahren. Einige Krokodile schaffen es sogar in die Marina vors Restaurant. Ein furchtloses Tier wurde letztens eingefangen und anderweitig untergebracht. Jetzt wird nur noch eines gesichtet. In Shelter Bay trifft sich die Welt, denn wer nicht um Kap Hoorn will, muss durch den Kanal. Gefühlte 1 Mio sm kommen hier zusammen. Da fühlt man sich oft ganz klein.

Der Panamakanal

Den Behördenkram für die Durchfahrt durch den Panamakanal kann man auch selbständig erledigen, denn alles ist durchorganisiert. Weil wir alt und grau sind, haben wir uns aber einen Agenten gegönnt, der alles organisiert hat. Rogelio ist ein Schatz und hat alles genau termingerecht gemanagt, inklusive der Lieferung von vier 30 m langen Leinen und acht Riesenfendern für die Passage.

Am 22.1. war der Vermessungstermin. Jedes Boot wird von einem Vermessungsteam neu vermessen. Am 29.1.um 18.00 Uhr kam der Pilot, genannt "Adviser", mit seinem Lehrling an Bord, und bei einbrechender Dunkelheit fuhren wir aufgeregt den ersten Schleusen entgegen. Man muss mit 6 Leuten durch den Kanal: -1 Lotse, 1 Captain/Rudergänger, 4 Linehandler, die an allen 4 Ecken die 30 m langen Taue befestigen, mit denen das Boot gehalten wird. Dazu werfen Männer, die in der Schleuse bereitstehen, jeweils eine Leine, die an einer Affenfaust befestigt ist, aufs Boot und der jeweilige Linehandler befestigt den Palstek der blauen Leine an der Wurfleine. Vom Boot aus werden die Leinen geführt.

Als erstes wird man in einer dreistufigen Schleusentreppe ca. 30 m aufwärts geschleust. Anschließend befindet man sich auf dem Gatunsee, wo riesige Moorings liegen, an denen zwei Yachten festmachen können. Kaum waren wir fest, verließen Adviser nebst Lehrling das Boot. Nach einem ordentlichen Abendessen und einigen Bieren fielen alle müde in die Kojen.

Hier deutet sich schon ein Kernproblem an. Man ist mit sechs/sieben Personen an Bord und alle wollen kalte Getränke und gutes Essen dreimal am Tag. Sollte das Mittagessen dem Adviser nicht munden, kann er sich selbst Essen kommen lassen (10 $ fürs Essen, 180 $ Transportkosten). Zum Glück hat es unserem netten Adviser geschmeckt und Claudias  Sandwiches fanden Anklang. Allerdings strapazierte es ihre Nerven, dass sie als Rudergängerin in der zweiten Schleuse mit der Herstellung von Sandwiches befasst war. Der Lunch am nächsten Tag, der termingerecht um 12.00 vor der nächsten Schleuse hergerichtet werden musste, fand soviel Anklang, dass Claudia vom Adviser gefragt wurde, ob er die Reste als Doggypack mitbekommen könne. Das klappte natürlich.

Wir haben unterwegs sehr nette Segler kennengelernt, deren Boote ebenfalls in Linton Bay lagen und die sich darauf freuten, das Erlebnis Panamakanal mit uns zu teilen. Susanne und Peter von der Picamares und Knut (Shogun). Leider konnte seine Frau Susi nicht mit, weil sie aufs Boot aufpassen musste. Ohne gute Linehandler hat man echte Probleme. Man braucht wirklich vier Leute, die die Leinen wahrnehmen. Meistens werden allerdings Päckchen gebildet, so dass man vor der Schleuse an einem anderen Boot festmacht oder zwischen zwei Booten in Mittelposition. Dann können sich zwei Linehandler um jeweils eine Leine kümmern, was die Sache vereinfacht.

Am nächsten Tag ging es dann morgens weiter. Der Adviser und ein anderer Lehrling kamen an Bord und wir fuhren dann die 30 sm zu den nächsten Schleusen, die einen wieder abwärts schleusen. Dann öffnen sich die Tore und man schwimmt im Pazifik, der übrigens erstaunlich kühl ist (23 statt 29 Grad in der Karibik). Ein herrliches Gefühl. Um 17.00 Uhr machten wir an einer sündhaft teuren Mooring im Balboa Yacht Club fest, erleichtert und glücklich.

Die Kanaldurchfahrt kostet 1000 $. Aber dann locken der Pazifik und die Südsee.

Aber wen kann die ganze Schleuserei erschüttern, wenn man die Schleusen Brandenburgs kennt. Heute morgen sind die Linehandler von Bord gegangen und wir faulenzen. Hier in Panama City werden wir uns noch länger aufhalten und unsere Ausrüstung vervollständigen und Proviant fassen. Mitte Februar geht es hoffentlich weiter auf die Südhalbkugel. 4000 sm zu den Marquesas - dies ist der längste Reiseabschnitt, den wir nonstop zurücklegen müssen. Wir freuen uns darauf.

Viele Grüße an alle

Claudia und Wolfgang, z. ZT. Balboa/Panama City

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