Seesegeln

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Ein komisches Gefühl macht sich in meinem Magen breit. Was hatte ich noch mal gegessen… richtig eine „asiatische“ Suppe in einem ecuadorianischen Restaurant gekocht von einem halbitalienischen Koch mit dem ich noch einen netten Schwatz gehalten hatte…

War anscheinend keine gute Empfehlung der ich da nachgegangen bin. Doch das ist mindestens sechs Stunden her…

Ich sitze mittlerweile im Nachtbus, habe den letzten Liegesitz ganz hinten ergattern können und bin auf der Reise nach Peru in das kleine Küstenstädtchen Mancora. Die Nachtfahrt soll rund acht Stunden dauern mit einer unkalkulierbaren Pause an der Grenze von Ecuador zu Peru.

Das Grummeln wird immer schlimmer und ich entscheide mich meinen bequemen Sitz gegen die Bordtoilette einzutauschen. Erleichterung… fürs Erste. Mitten in der Nacht kommen wir an der Grenze an. Leider sind wir nicht der einzige Reisebus der abzufertigen ist und so stellen wir uns in die endlose Schlange übermüdeter Menschen. Da ist es wieder das Grummeln und ich kann nur noch meine „Schlangennachbarin“ Luna bitten mir den Platz freizuhalten. Auf der Toilette angekommen stelle ich fest, dass es kein Toilettenpapier gibt – Anfängerfehler, verdammt! Mit äußerster Konzentration schaffe ich es zurück zu Luna und bitte um ihre letzten Taschentücher – geschafft, Erleichterung tritt ein. Nach vier Stunden ist es endlich soweit. Die Stempel sind im Reisepass, es kann bei mir weitergehen. Bei Luna sieht es anders aus. Sie reist mit einem chinesischen Reisepass und wird an einen extra Tisch gebeten an dem sie noch einige Fragen über sich ergehen lassen muss. Es geht doch nichts über einen deutschen Reisepass auf dieser Welt!

Mit dem Bus nach Peru

In Mancora angekommen geht es nach harten Tarifverhandlungen mit dem Tuk-Tuk durch die Schlammstraßen bis zum Hostel. Es ist 6:30 Uhr morgens und der Nachtwächter gibt uns zu erklären, dass das Hostel erst um 7 Uhr aufmacht und wir noch eine halbe Stunde warten müssen bis er uns einchecken kann. Ordnung muss sein, auch hier in Peru! Also warten wir und lassen uns am Pool von den Mosquitos zum Frühstück vernaschen.

Was für eine Nacht! Am nächsten Tag der vorsichtige erste Gang zum Meer – Entsetzen! Durch den starken Regen war die nordperuanische Küstenstadt komplett unter Wasser gesetzt und der gesamte Dreck ist ins Meer gespült worden. Die bräunliche Suppe wurde nun von der Brandung ordentlich umgewälzt und gab kein einladendes Bild ab. Zeit weiterzureisen!

Über die immer wieder durch Erdbeben zerstörten und damit charmelosen Städte Piura und Chiclayo geht es wieder in die Berge nach Cajamarca.

Edoardo

Edoardo repariert meine Wanderstiefel

Neben den alten Gemäuern und dem riesigen Markt für mich ein kleines Highlight, die Sauna! Zwischen den heißen Bädern in denen man hier Platz nehmen kann, gibt es auch ein Dampfbad, hier Sauna genannt. Durch die im Boden eingelassenen offenen Kanäle, welche nur durch ein Gitter bedeckt sind wird das kochende Wasser geleitet und erzeugt so einen heißen Wasserdampf der Zitronenschalen und Eukalyptusblätter dünstet. Herrlich!

Die Sauna

Die Sauna in Cajamarca

Nach einigen Tagen geht die Reise zum ersten wirklichen Highlight von Peru, nach Huaraz.
Die auf 3000 m liegende Stadt ist das Wandermekka des Landes und sollte auf einer Perureise nicht ausgelassen werden! Der vom Hostelleiter Benjamin mir mit einem Schmunzeln an den Kopf geworfene Spruch „ Welcome to Paradise“ sollte sich als nicht übertrieben herausstellen.

Kokatee

Reiseplanung bei einer Tasse Kokatee

Rund um Huaraz gibt es endlose Wanderrouten, jedoch die meisten über eine Agency zu buchen. So hatte ich mich breitschlagen lassen die erste Expedition, ein Tagesausflug zur Laguna 69 zu machen. Benjamin meinte, dass dies der Höhentest sei. Etwas Kokablätter kauen, Kokatee trinken und dann passt das schon – Eine ganz normale Vorbereitung für eine Wanderung in der Höhe. Er versicherte jedoch, dass das nichts mit dem gemeinen Kokain zu tun hat! Wenn man den besteht, kann es weitergehen.

Gesagt, getan! Am nächsten Morgen ging es mit dem Minibus in den Huascaran Nationalpark und von da zu Fuß den Weg bis zur auf 4600 m liegenden Lagune. Unglaublich. Eine Landschaft wie im Märchenbuch. Das von den Fünf- und Sechstausendern umsäumte Tal grün und satt. Mittendrin ein Wildwasserfluss der jedes Paddlerherz höher schlagen lässt. Am Ende der steile Aufstieg zum See. Ich habe es geschafft. Die Luft ist sehr dünn und kalt. Es fängt kurz zu schneien an. Doch das hindert einige Todesmutige nicht daran in die azurblaue Lagune zu springen und den „Kick“ zu erleben. Ich entscheide mich lieber dafür den noch ungeöffneten Flachmann, ein Reisegeschenk von meinem Kumpel Christoph, zu öffnen und mir einen schönen Schluck Laphroaig zu gönnen. Test bestanden, es kann weitergehen.

Huascaran Nationalpark

Huascaran Nationalpark

Huascaran Nationalpark

Huascaran Nationalpark

Laguna 69

Laguna 69

Laguna 69

Laguna 69

Laguna 69

Laguna 69

Zurück im Hostel. Es regnet. Meine australischen Zimmergenossen entscheiden weiter zu reisen und nicht den berüchtigten Santa Cruz Trek zu bestreiten. Fast hätte ich mich ihnen angeschlossen. Doch es kribbelt… Ich muss und ich will, also werde ich. Der Wetterbericht für die nächsten Tage – noch mehr Regen. Etwas ratlos laufe ich durchs Hostel, da sehe ich, dass sich Leevke, ein Lockenkopf aus Norddeutschland, bei Benjamin über den Santa Cruz Trek informiert. Und sie möchte ihn nicht geführt machen, sondern auf eigene Faust mit weiteren Mädels. Na ja, da musste ich mich einfach als Reisegefährte anbieten.

Die dynamische Gruppe bestand nun aus drei taffen Mädels, einem Seemann auf Landgang, einem Zelt und vielen Haferflocken und Milchpulver. Die Route ließen wir uns noch schnell von Benjamin beschreiben. Als ich nach Gefahren fragte, lachte er nur und meine, dass wir unser Zelt und die Rucksäcke nicht von den frei herumlaufenden Kühen und Pferden fressen lassen sollen. Die stehen auf die salzigen von Schweiß durchtränkten Klamotten der Wanderer.

Es ging los. Der Santa Cruz Trek durch den Huascaran Nationalpark. Ein Erlebnis was seines Gleichen sucht. Bis 16 Uhr konnte gewandert werden. Dann Regen. Nach drei Tagen ging es den Pass herauf bis auf 4700 m. Nach sechs Tagen waren wir zurück in Huaraz. Was für eine Tour.

Santa Crus Trek

Santa Crus Trek

Santa Crus Trek

Santa Crus Trek

Höhlenmenschen suchen ein Zuhause

Höhlenmenschen suchen ein Zuhause

Santa Crus Trek

Santa Crus Trek

Ein provisorisches Kochzelt

Ein provisorisches Kochzelt

Hygiene muss sein

Hygiene muss sein

Santa Crus Trek

Santa Crus Trek

Santa Crus Trek

Santa Crus Trek

vor dem Nevado Taulliraju 5830 m

Die „Höhlenmenschen“ vor dem Nevado Taulliraju 5830 m

Santa Crus Trek

Santa Crus Trek

Santa Crus Trek

Santa Crus Trek

geschafft

Wir haben es geschafft! Doch die Kamera nicht. Sie macht uns zu Chinesen

Die Bevölkerung nun etwas aufgeregt, da der Ausnahmezustand für Peru ausgerufen wurde. Es hatte so viel geregnet, dass sämtliche Straßen zur Hauptstadt Lima weggespült worden waren und es keine Informationen gab, wann denn wieder Verkehrsmittel fahren würden. Das Internet war auch zusammengebrochen. Es gab keine Nachrichten und „einfache“ Dinge wie Bankautomaten oder Kartenzahlung versagten ihren Dienst. Da zählte also: Nur Bares ist Wahres.

Vor den Shops des einzigen Mobilfunkanbieters der es irgendwie geschafft hatte ein schwaches Internetsignal bereit zu stellen, stapelten sich die Leute um Kontakt mit dem Rest der Welt aufzunehmen. Nachdem ich also auch meinen digitalen Fingerabdruck gegen eine prepaid SIM-Karte getauscht hatte konnten die Recherchen losgehen.

Die Hauptstadt Lima ohne Trinkwasser. Die Bierbrauereien hatten schon begonnen von Bier auf Trinkwasser für die Bevölkerung umzustellen. Die Straßen und Brücken – alle kaputt. Der Staat kein Geld für Reparaturen. Privatfirmen waren nun Tag und Nacht dabei die Straßen provisorisch wieder herzurichten um die Erze aus den Bergen an die Küste zu schaffen. Alles in den deutschen Nachrichten nur nebenbei erwähnt. Wunderbar, so muss ich nicht bei Facebook als „sicher“ markiert werden.

Soweit so gut. Aber wann wieder etwas fahren würde konnte keiner sagen. Es erreichten uns täglich Bilder über WhatsApp von zerstörten Straßen und Backpackern, die tagelang über Stöckchen und Steinchen sich an die Küste durchgeschlagen hatten.

Eine Straße nach Lima

Eine Straße nach Lima

Da fiel mir ein bei der deutschen Botschaft anzurufen und zu erfragen, ob denn „deutschen“ Staatsbürgern aus so einer Lage herausgeholfen werden kann. Auf meine Frage, ob wir vielleicht als Gruppe ausgeflogen werden können, gab es auf der anderen Seite des Telefons nur ein lautes Lachen mit der Antwort: Wenn Sie den Flug selber zahlen, kann ich Sie natürlich ausfliegen lassen.

Schade. Jedoch war ich von nun an der Informant für die deutsche Botschaft und versorgte diese mit Informationen über die Lage in Huaraz. Es stellte sich heraus, dass es zwei Listen bei der Polizei gab in die man sich eintragen lassen konnte. Eine für dringliche Fälle. So wurde man dann vom peruanischen Militär ausgeflogen und eine zweite für alle anderen „Fälle“. Dort wurde einem ein Busplatz zugesichert, sowie die Busse wieder fahren.

Nach einer guten Woche des Wartens war es dann soweit. Die Minibusse konnten auf den provisorischen Straßen bis zur Küste fahren. Geschafft – Lima. In den „reichen“ Vierteln Miraflores und Barranco gab es wieder fließend Wasser und von der Aufregung war nichts mehr zu merken.

Lima

Lima

Nach einigen Tagen ging es mit dem Bus nach Cusco. Nach 22 Stunden erreichten wir die wunderschöne Stadt, aufgebaut auf den alten Grundmauern der Inka und Ausgangspunkt für die Reise zum Machu Picchu. Natürlich ließ ich mir es nicht nehmen die regionale Köstlichkeit – Meerschwein am Spieß- zu probieren.

Meerschwein am Spieß

Meerschwein am Spieß

Und so hatte ich wieder eine entleerende Nacht auf der Hosteltoilette. Morgens um fünf Uhr entschied ich trotzdem meine Reise zur weltberühmten Inka Stadt hoch in den Wolken anzutreten und kämpfte mich mit krampfenden Magen in den Kleinbus zum Örtchen Hidroeléctrica in dem die Schotterpiste endete. Nach sieben Stunden Busfahrt über wilde Pisten und gefühlt dem Himmel schon sehr nahe zu sein, ging es von dort weitere drei Stunden zu Fuß den Bahngleisen entlang zum Ausgangsort Aguas Calientes. Ich hatte mich für die günstigste und schnellste aller Varianten entschieden um zum touristisch erschlossensten Ort der Inka zu kommen, der nicht durch die spanischen conquistadores zerstört wurde.

Doch die Tortur hatte sich mehr als gelohnt. Früh am nächsten Morgen bestieg ich den steilen Berg und konnte direkt nach dem Einlass an allen sich noch sammelnden Touristen Gruppen vorbei als einer der Ersten die gewaltige Schönheit der Anlage in den Wolken bewundern. Ein Moment den man erlebt haben muss. Unbeschreiblich, mächtig, einzigartig.

Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu

Sexy Lama

Sexy Lama

Zurück ging die Reise dann wieder mit dem Kleinbus. Nach einem sechsstündigen Stopp, der einer Gerölllawine zuzuschreiben ist, die 50 m vor uns auf die Schotterstraße abgegangen war konnte es dann zurück nach Cusco gehen.
Von dort ging die Reise nun weiter nach Bolivien zum Titicacasee.

Gegenrichtung

Eine tödlich ausgegangene Fahrt. Zum Glück die Gegenrichtung

Doch dazu mehr im nächsten Bericht.


Lorenz Kunze, 14.11.2107 Im Café Storch Köln.


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