Segler-Verein Stössensee e.V.

Segeln auf der Sonnenseite der Havel

Die 1. Schiffsmeldung von der SY Sturmvogel im Sommer 2021

06.08.2021

Gestartet sind wir relativ spontan am Montag, 14. Juni, um der vorhergesagten Hitze in Berlin zu entfliehen.

Die Kanalfahrt verlief flott, und bis auf eine Baustelle bei Eberswalde, problemlos. Hier fanden Ausbaggerarbeiten statt. Eine halbe Stunde mussten wir kringeln, weil Schuten die Durchfahrt blockierten. Übernachtet auf dem Kanal haben wir in Lehnitz (an der Warteposition oben) und in Gartz.

In Stettin hatte uns die Hitze eingeholt, zudem fanden am nahen Flughafen Flugübungen mit dem Helikopter mit Tiefflügen über mehr als fünf Stunden statt, z.T. direkt über unseren Köpfen, Das war reiner Terror und nur der Gehörschutz und Ohropax schützten etwas. Aber letztlich stand der Mast und alle Segel waren angeschlagen. Fluchtartig verließen wir den Segelverein AZS.

Am Donnerstag, 17.Juni, segelten wir über den Dammschen See und die Oder, hielten für eine Tank- und eine längere Hitzepause in Trzebiez, und weiter nach Swinemünde (17.-18.6.). Die Hitze wetterten wir unter dem Sonnendach ab, doch wir wollten auch in der Ostsee baden. Neben tausenden Menschen am Strand wagten wir den Gang in die kalten Fluten, Chrissie sah 17°; welch eine Abkühlung bei 33° Lufttemperatur!

Nach Swinemünde laufen wir Thiessow (Mönchgut auf Rügen) (37nm) an. Hier gibt es es morgens frische Flundern beim Fischer. Ein Hafentag folgt, Montagmorgen verhindert eine mächtige Böenwalze mit kurzem Starkregen, und folgender starker Wind unsere Weiterfahrt nach Stralsund. Sturmvogel wird an die Pier gedrückt, so dass wir nicht ablegen können. Wir entschließen uns zu einem schönen Spaziergang entlang dem Hochufer zum Lotsenturm. Zurück im Hafen hat es abgeflaut und wir können nun doch ablegen. Ausnahmsweise sollten wir langsam segeln und motoren, um den Brückenzug um 21.30 Uhr in Stralsund nicht zu früh zu erreichen. Es ist Sonnenuntergang als wir die Ziegelgrabenbrücke passieren. Die erstandenen Flundern gibt es zum Nachtessen und dazu eine Flasche Weißwein für die Bettschwere.

Am nächsten Morgen (22.6.) um 9 Uhr geht es weiter nach Kloster auf Hiddensee. Es weht ein NW mit 20, später mit 23 kn, und hoch am Wind mit einem Reff in Groß und Genua freut es den Skipper motorende Segelboote zu überholen. Um 12 Uhr mittags machen wir fest im Hafen von Kloster.

Hier bleiben wir bis zum 5. Juli, wir haben uns an ein entspanntes Leben gewöhnt, werden von Ute und Volker Haase zum Abendessen in ihrer Ferienwohnung eingeladen, besuchen die Vorstellung „Faust“ des genialen Puppenspielers Karl Huck im Homunkulus.

Skippers Geburtstag wird mit Ute und Volker mit Sekt, Häppchen und Erdbeeren auf dem Sturmvogel gefeiert.

Bei 22° Lufttemperatur ist es nicht mehr so heiß (Wasser: 21°), und es weht ein angenehmer Westwind. Im Sommerpalast ist gut Eis essen, auch Kaffee und Kuchen an Bord, und wenn es dann auch noch Hechtfilet vom Fischer Willi gibt, ist die Welt in Ordnung.

Für fünf Tage kommt Enkelin Nr. 1, Leonie, die sich begeistert in die aufgepeitschte Ostsee schmeißt;  alles dokumentiert für ihren Instagram Account. Sie genießt merklich ihren Aufenthalt auf der Insel in vollen Zügen.

Nachdem wir die Chancen, nach Schweden oder Bornholm zu gehen, abgeschätzt und alle längerfristigen Wettervorhersagen studiert haben, lösen wir die Tentakeln, die uns auf Hiddensee festhalten. Es soll nach Südschweden gehen.

Mittwoch, 7. Juli, visieren wir Lohme an. Erst unter Motor bei W 2 bis 3 kn und später mit S und SE 2 mit Groß und Genua, machen wir dort nach 28 nm fest. Hier braucht man für die breiten Boxen extrem lange Achterleinen!

Am Donnerstag laufen wir die 9 nm unter Motor Sassnitz an. Der Nordostwind beschert uns eine elende Rollerei in der Nacht. Chrissie versucht in unterschiedlichen Schlafstellen vergeblich, Schlaf zu finden. Bloß weg von hier!

Es folgen drei Tage in Glowe als möglichem Absprunghafen nach Südschweden oder Bornholm. Glowe hat einen guten und geschützten Hafen, die Sanitäranlage ist ok, und wir können für kleines Geld (3 €) Wäsche waschen. Der Ort ist unattraktiv bis langweilig, auch gebeutelt von der stark befahrenen Straße entlang der Schaabe. Als Fußgänger fühlt man sich geradezu gejagt, wenn man die Straße zum Beispiel für einen Einkauf queren möchte.

Sonntag, der 11. Juli, ist ein Hafentag, wir wollen eine kleine Wanderung von ca. 4 km Richtung Schloss Spyker unternehmen. Es ist ziemlich warm, angenehm ist der urige Wald, nicht so ermunternd die vielen E-Bike-Fahrer, für die diese Strecke sicher einfach zu erfahren ist. Zu Fuß zieht es sich ...

Zurück im Hafen machen zu unserer Überraschung Maria, Matthias und Felina vom SVSt neben uns mit ihrer X-Yacht BüXut fest, einen kurzen Abend zum Sundowner verbringen wir mit den Dreien bei uns an Bord.

Am Dienstag, dem 13. Juli, machen wir die Leinen los, Ziel ist Ystad. Die Bedingungen sind zunächst handig: 3-4 Windstärken aus Ost, später etwas nördlich drehend und zunehmend, so dass ein Reff ins Großsegel gebunden wird, um die Schräglage und damit die Turnerei an Bord zu reduzieren. Die Bootsbewegungen auf See sind jedoch für Chrissie eine Herausforderung, ihr sind noch keine Seebeine gewachsen. Wir schaffen die langen 54 Seemeilen in 9 Stunden.

Mittwoch und Donnerstag sind Hafentage in Ystad. Es ist sehr warm, 27°, der kleine Strand direkt neben dem Hafen lockt: Schon frühmorgens genießen wir das Bad im 20° warmen Wasser. Und auch die insgesamt sehr entspannte Atmosphäre. Die Autos fahren langsam und halten an, wenn ein Fußgänger die Straße überqueren will. Wir erkunden die Stadt mit den kleinen Rädern, fahren zum Einkauf, dann sitzen wir wieder auf dem Sturmvogel im Schatten. Am frühen Abend findet auf dem nahen Tanzboden bei Lifemusik eine Tanzveranstaltung statt, das ist schwedische Lebensart! Wir genießen das Seh-Vergnügen!

Freitag, 16. Juli, geht‘s weiter nach Kåseberga, nur 11 nm östlich von Ystad. Wir möchten uns noch einmal die Steinsetzung Ales Stena anschauen. Viele Menschen sind mit uns unterwegs, es herrscht reger Ausflugsbetrieb. Im Imbiss- und Fischladen kaufen wir für unser Abendessen Dorsch ein, teuer, aber vom Feinsten.

Leider trifft uns im Hafen Dampferschwell von den Schnellfähren, die nach Ystad einlaufen, das ist etwas ungemütlich. So motoren wir tags darauf mangels Wind 29 nm weiter nach Bornholm. In mehr als 5 Stunden!

Der Hafen im Norden von Bornholm, Allinge, ist wie befürchtet schon zugewachsen mit Booten; für uns keine Chance auf einen Liegeplatz. So motoren wir weiter nach Tejn, einem ehemaligen Fischereihafen, der ist nicht attraktiv, aber es gibt noch Platz an der hohen Pier, die Chrissie nur mühsam oder mit meiner Hilfe erklimmen kann.

Eine alternative Brauerei braut und verkauft 17 Biersorten, sie wird betrieben von jungen Leuten. Am Nachmittag und Abend bespielt die Szene ein DJ, mit Musik (Soul, R+B, Salsa) der Ära vor Beatles und Stones - geile Mucke!!! - und das Bier fließt dazu. Viele, meist junge, Leute, Freunde, Bekannte, treffen sich hier. Auch ein großes Seh-Vergnügen für uns.

Nachts weht viel Starkwind, so dass Sand und Dreck von der Pier auf Sturmvogels Deck landet. Also muss der Skipper ausgiebig pützen und putzen. Der Hinterreifen von Chrissies Fahrrad ist platt, also fährt der Skipper alleine nach Allinge, um einen neuen Reifen zu besorgen, zugleich auch zwei Schollen aus der bekannten Räucherei und Brot aus der Schweizer Konditori. Dann erledigt er noch eben die Fahrradreparatur.

Am Dienstag, 20. Juli, legen wir ab Richtung Svaneke, entlang Bornholms Küste im Uhrzeigersinn. Die Genua wird ausgebaumt, und segeln „dänisch“ mit Motorunterstützung. Wir schauen mal kurz in den Hafen von Svaneke rein, natürlich auch proppenvoll – wie nicht anders erwartet.

Also laufen wir unter Groß und Genua die 19 nm nach Nexö. Nach einer Hafenrundfahrt durch alle Hafenbecken entscheidet sich der Skipper für einen bequemen, mit grün gekennzeichneten Platz im Segelverein. Hier können wir fußläufig bei Kvickly und Lidl einkaufen, mit den Klapprädern durch die Gegend gurken, doch wegen des Autoverkehrs entlang der Straße, entscheiden wir uns für ein Tages-Senioren-Busticket, um mehr von der Insel zu erkunden. Eine Bushaltestelle nach dem Hafen von Gudhjem befindet sich das Bornholmer Kunstmuseum und auch die Klippen Die haben wir schon einmal vor 10 Jahren besucht, doch beide sind einen erneuten Besuch wert.

Durch den modernen Bau des Museums wurde eine fließende heilige Quelle integriert. Und zu sehen ist eine wunderschöne Sammlung Bornholmer Malerei und moderne Kunst. Natürlich besuchen wir auch die ‚Heligdomsklipperne‘ ca. 50 m hohe Klippen mit Klüften, Spalten und Türmen. Wirklich beeindruckend und grandios.

Weiter ging die Bustour nach Hasle und später nach Roenne, auch um die Situation in den Häfen zu erkunden. Keine Überraschung: Es ist überall voll, man liegt im Päckchen. Leider gibt es keine Heckdöpper, die mehr Liegeplätze bieten könnten.

Am Samstag, 24. Juli, segeln wir von Nexö zunächst am Wind, ab Dueodde ‚Platt vor Laken‘ an der Südküste mit den beeindruckenden Stränden entlang bei zunehmendem Wind bis 4 Bft nach Roenne (24 nm). Zwei Nächte bleiben wir hier, versuchen ein Bad am nahen Strand, doch brechen den Versuch ab wegen des müffelden abgestorbenen Seetangs. Dafür nutzen wir die unentgeltliche Waschmaschine, die Wäsche trocknet in Windeseile auf der Leine an Bord. Auch hier sind die Liegeplätze knapp, weil zwischen den Stegen die Abstände jeweils erweitert wurden, um den überbreiten Yachten Platz zu bieten. Und bei Einlaufen der Katamaranfähre schaukeln alle Schiffe bedenklich im Schwell. Alles gut festhalten und -zurren! Der Weststeg, an dem wir festmachen, ist in einem renovierungsbedürftigen Zustand, zur Mole hin versandet, was von einigen Skippern nicht beachtet wird und aufsitzen. Mit vereinten Kräften und Leinen der umliegenden Skipper wird dann „gerettet“.

Am Montag, 26. Juli, nutzen wir den Ostwind und segeln kurz entschlossen die 52 nm von Rönne nach Lohme, halbwind mit Motorhilfe bis zum Arkona-Windpark, den wir östlich passieren, um dann raumschots mit dem Groß an Steuerbord und der Genua an Backbord, ausgebaumt mit Topnant und Niederholer, zu segeln – und der Windpilot steuert. Bei um 11 kn Wind (3-4 Bft) wird es eine angenehme Reise.

Gleich am nächsten Tag segeln wir weiter, Hiddensee ruft! Mal ‚kurz um die Ecke‘ von Kap Arkona, bei SW 3-4, müssen wir aufkreuzen. Das führt wegen der befürchteten Knappheit an Liegeplätzen in Kloster zur Ungeduld bei Chrissie.

Am Dienstag, 27. Juli, gegen 13.30 Uhr machen wir in einer der letzten Boxen in Kloster fest; es ist ein gutes Gefühl: Wie zuhause angekommen.

Hier pfeffert und pfeift es drei Tage, von Donnerstag, dem 29. bis Samstag Nacht, 31. Juli, aus W-SW bis 35 kn (8 Bft). Kaum ein Boot, das nicht wirklich muss, verlässt den Hafen.

Wir sind froh über die Entscheidung wieder nach Hiddensee gegangen zu sein – bei SW Sturm ist der Hafen Kloster sicher.

Wir erwarten Enkel Arne in der kommenden Woche; in der Planung sind kleinere Schläge je nach Wetterlage.

Herzliche Grüße an alle Daheim gebliebenen.

Guten Wind und immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel.

August 2021

 

Ralf und Chrissie vom Sturmvogel, z.Zt. in Kloster auf Hiddensee

Sturmvogel

Zwischen Berlin und Ostsee