Segler-Verein Stössensee e.V.

Segeln auf der Sonnenseite der Havel

Schiffsmeldung No. 1: Mit dem Sturmvogel unterwegs 11. Juni bis 15. Juli 2019 von Berlin nach Stockholm

19.07.2019

Start bei 30 Grad am Dienstag, dem 11. Juni, nachmittags. Die Spandauer Schleuse ist geschlossen, das erfordert den Umweg über die Schleusen Charlottenburg und Plötzensee. Die Bombenfundstelle vor dem Lehnitzsee passieren wir ohne Probleme unter Deck, der Sturmvogel wird mit Steuerleinen sicher gelenkt, wir sehen ausreichend durch die Seitenscheiben. Enttäuschung: Die Wasserschutzpolizei ist nicht in Sicht. An der oberen Warteposition der Schleuse Lehnitz übernachten wir, heftige und stundenlange Gewitter mit Starkregen toben über uns.

Bei großer Hitze Weiterfahrt bis Gartz, Jürgen heuert ab und fährt zurück nach Berlin. Weiter geht’s zu zweit.

Am 13. Juni den Mast im AZS (Stettin) gestellt und Weiterfahrt am 15. nach Swinemünde bei achterlichem und bis zu 25 kn (Beaufort 6) Wind mit gerefften Segeln. Der Bordingenieur ist gefragt: Die Druckleitung tropft und eineinhalb Liter Diesel schwappt in der Motorbilge. Die Tropfstelle wird auseinander geschraubt, gesäubert und kräftig angezogen. Alles bleibt von nun an trocken.

Am Sonntag, 16. Juni, startet unser erster Versuch nach Bornholm zu segeln. Bis zu 25 kn Wind, Welle ca. 1,5 m, eine äußerst ruppige See und beginnende Seekrankheit lässt uns nach zehn Meilen umkehren, und wir legen einen Hafentag mit Bummeln durch Swinemünde und einem frühnachmittäglichen Cocktail ein. Am Dienstag segeln wir bei sehr viel angenehmeren Bedingungen in 12 Stunden nach Rönne/Bornholm. Nach einem Einkauf, auch im Fischgeschäft, gehen wir weiter nach Hammerhavn und machen das erste Mal in unserem Seglerleben mit Hilfe netter Menschen an einer Muringleine fest. Zwei Tage gönnen wir uns für die touristischen Highlights: Wanderung zum Opalsee und weiter nach Sandvig, dann natürlich auch der Weg zur Burgruine Hammershus.

Samstag, 22.Juni, vor der Hafenausfahrt im Kampf gegen hohe Grundseen wird das Groß gesetzt, bei NW 4 Bft schnelle Fahrt bei Halbwind, später raumt der Wind, Genua wird geborgen und Groß mit Bullenstander gesichert. Nach 11 Stunden fest im Karlskrona Stadthafen. Es ist Mittsommer-Feiertag, die meisten Läden sind geschlossen, ebenso Lidl hinter dem Bahnhof, nicht so die berüchtigte Eisdiele.

Sonntag, 23. Juni, vollgetankt und Fahrt im inneren Fahrwasser nach Sandhamn. Im originellen Hamnkrog vom umtriebigen Wirt leckere Fish & Chips bei tschechischem Bier für 500 Kronen genossen. Nächsten Tag geht’s weiter nach Kristianopel. Auf der nahen Bühne spielt eine Band mit Sängerin zum Tanz auf, eine ansteckend, fröhliche Sommerabend Atmosphäre.

Am Dienstag wird bei wenig Wind der Spi gesetzt, doch es reicht nicht bis Kalmar, wir laufen Mörbylonga an; ein ruhiger Hafen und sehr freundliches Hafenmeisterpaar. Der Skipper nimmt ein erstes Bad im Meer, und großes Wäschewaschen folgt.

Nächsten Tag geht’s nach Kalmar unter Motor, hier treffen wir die SY 'PrimaDonna'. Zwei Abende verbringen wir mit ihnen.

Freitagmittag, 28. Juni, machen wir los mit dem Ziel Sandvik auf Öland. Nachlassender Wind lässt uns in Borgholm einlaufen. Intensiver Soundcheck für ein Festival ist ein Anschlag auf die Ohren und verleidet den Hafen. Sehr früh am Morgen lösen wir die Leinen, Kurs Nord, Ziel ist die Insel Spärö. Anfangs gute Fahrt mit Raumschotsbrise, später raumend, dann nachlassend, schlussendlich unter Motor. Gut geschützt verbringen wir unsere erste, ruhige Nacht vor Anker.

Bei zunehmendem Wind - wir sehen 20 kn auf dem neu eingebauten Windmesser - rauschen wir außerhalb der Schären mit Kurs NNE, und nach 20 nm ins innere Fahrwasser bei der Insel Kvädö zum Naturreservat Stora Älö. Leider reicht der öffentliche Anleger nur für zwei Boote und ist schon besetzt, wir ankern frei. Die Temperatur steigt auf fast 30°, Erfrischung bringt ein Bad. Eine westliche Winddrehung zwingt uns, den Platz zu verlassen. Auch am zweiten Ankerplatz treffen heftige Böen seitlich auf das Boot. Der dritte Ankerplatz scheint geschützter, doch halten wir bis 0:30 h sicherheitshalber
Ankerwache.

Am Montag, 1. Juli, segeln wir im inneren Fahrwasser bei bis zu 30 kn (Bft 6) Wind mit gereffter Fock nach Arkösund und machen im Verein NSS fest. Ein Regentag folgt; gut um im etwas sehr bescheidenen Laden einzukaufen, das Boot zu putzen und faul zu lenzen.

Mittwoch, 3. Juli, richten wir unseren Kurs nach Landsort bei WSW bis 20 kn (5 Bft) und bis zu 7,2 kn Fahrt vorm Wind, dann gehen wir westlich von Öja nach Nord an den Fiskehamn Anleger Ankarudden. Tags darauf drückt uns Starkwind an die Reifen der Betonpier und nur mit Hilfe von zwei freundlichen Männern gelingt das Ablegemanöver. Nach 10 nm, erst mit Kurs Ost, dann Nord, erreichen wir den Gästehafen Nynäshamn im Regen. Höchsttemperatur 14°, nachts 8°. Zwei kleine, neugierige Fische muss der Bordingenieur aus der verstopften Klopumpe entfernen.
Am Nachmittag freuen wir uns auf das Eintreffen der 'Orion 3', wir begrüßen sie mit Sekt und Schnittchen. Ein Klönabend folgt an Bord des 'Sturmvogel' mit Quiche, leckerem, selbstgebackenem Brot, Salat und reichlich Wein.

Am Sonntag, 7. Juli, fahren wir mit dem Zug nach Stockholm, schlendern drei Stunden über den Ostteil von Kungsholmen mit dem Rådhuset, über Riddarholmen in die mit vielen anderen Touristen gefüllte Gamla Stan (Altstadt). Zurück zum Bahnhof, fahren wir nach Arlanda, um unser neues Crewmitglied Arne, 10 Jahre alt und Enkel Nr. 5, vom Flughafen abzuholen.

Schon Montag laufen wir jetzt zu dritt zu dem 18 Seemeilen entfernten Ankerplatz vor Brevik auf Ornö aus. Arne sprüht vor Energie, er will das Dinghi rudern und angeln. Wir sind gefordert von Arnes Lebendigkeit, ungewohnt nach den Wochen zu zweit. Das Wetter ist allerdings bescheiden, immer noch starker N-Wind, sehr kühl mit 15 Grad unter dunklen Wolken. Nächsten Tag geht’s nach Dalarö, wo Arne nächste, leider vergebliche Angelversuche unternimmt, wir gehen einkaufen und in der berühmten Bageri Kaffee trinken. Ralf und Arne nutzen am Abend begeistert die Sauna.

Mittwoch segeln wir in die beliebte und ideale Bucht Napoleonviken, mit Heckanker an 30 m Leine und ebenso langen Bugleinen, die Arne mit einem Sprung auf den Felsen um zwei Bäume ausbringt. Nachmittags füllt sich die Bucht zusehends, aber es ist herrlich ruhig, und Arne geht mit Dinghi auf Expeditionen, landet auf den umliegenden Eilanden an, klettert auf steile Felsen, sammelt sogar Blaubeeren. Er ist begeistert von all seinen Aktivitäten! Er lernt den Palstek zu knoten und nach mehreren Versuchen hat er Erfolg.

Nach einem zweiten Tag in dieser Bucht motoren wir mangels Wind am Freitag, 12. Juli, nach Stockholm und machen mit Arnes handfester Hilfe fest im betriebsamen Wasahamn. Sogleich besuchen Skipper und Arne das interessante Wasamuseum. Am
nächsten und letzten Tag für Arne steht Skansen auf dem Programm. Sonntag geht sein Flug zurück nach Berlin.

Heute, Montag, dem 15. Juli, zu zweit durch zunehmenden, ergiebigen Regen getigert und den geplanten Besuch des Fotografiska aufgegeben; die riesige Baustelle zwischen Slussen und Gamla Stan, wo eine Brücke durch zwei andere ersetzt wird, hätte einen weiten Umweg erfordert. Es ist Whisky-Wetter und der trockene Salon mit wärmender Lampe lockt uns zurück zum Boot.

Herzliche Grüße an alle nah und fern, fairen Wind und immer eine handbreit Wasser
unterm Kiel.

Die Crew vom Sturmvogel

Sturmvogel

Zwischen Berlin und Ostsee