Segler-Verein Stössensee e.V.

Segeln auf der Sonnenseite der Havel

Einführungsrede auf der Haupversammlung am 27. Februar 2016

Ich danke für das große Vertrauen in den Vorschlag des Beirates für den neuen Vorstand. Wir und ich werden uns bemühen, den hohen Erwartungen zu entsprechen. Ich betone, dass wir unsere neuen Aufgaben gleichzeitig erledigen und erlernen müssen und bitte daher für den Anfang um ein bisschen Nachsicht bei diesem training-on-the-job.

Ich möchte allen anwesenden Vorgängern danken, die uns einen gut bestellten Verein hinterlassen haben: Mit einem eigenen Grundstück, das sich bald schon wieder verändern wird, einem großen Haus, das ein Fixpunkt der Berliner Segelszene geworden ist, und einem inzwischen geordneten und alle Planungen unterstützenden Zahlenwerk. Und alle drei, Günter, Erich und Wolf-Gero haben zugesichert, uns Neulingen mit ihrem Rat zu Seite zu stehen.

So viel ist erreicht worden und dennoch bleibt viel zu tun: Zu den Aufgaben, die nicht ohne umfangreiche Vorinformation der Mitglieder und ihre Entscheidung begonnen werden, gehören die Neugestaltung der Grundstücksgrenze zur Straße, die Sanierung der Slipbahn mit allem notwendigen Drum und Dran und die Renovierung des Sanitärtrakts. Information, Auswahl aus den Möglichkeiten und ihre Umsetzung werden uns die kommenden zwei bis drei Jahre beschäftigen.

Dahinter erscheint aber die wichtigste Frage, die nach unserer Zukunft:
Welcher Verein wollen wir in 10 Jahren geworden sein?
Wo stehen wir heute? Wie kommen wir an unser Ziel?
Wollen wir ein großer Bootsstand werden, der sich als Spielbein einen Verein leistet?

Oder ein Verein, der durch das Zusammenwirken seiner Mitglieder sowohl Service rund ums Boot, ein soziales Netzwerk wie auch die Förderung von Segelsport und Jugend organisiert? Und das im Zusammenwirken mit anderen Vereinen?

Mittel und Ziel der Beantwortung dieser Fragen ist die Mitwirkung aller Mitglieder an der Gestaltung unserer Zukunft. Nehmen wir also den Verein wieder in Besitz. Vor ein paar Jahrzehnten hatte ein anderer, viel größerer Verein auch seine Probleme mit der Zukunft. Da appellierte der damalige Vorsitzende an seine Mitglieder: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, sondern fragt euch, was ihr für eurer Land tun könnt!“ Hiermit hatte John F. Kennedy 1961 ein Motto formuliert, das auch auf uns übertragen werden kann.

Die Umkehrung der Denkrichtung funktioniert aber nicht als Ergebnis von Appellen, auch nicht von Bitten und Betteln. Mitwirkung ist in Wirklichkeit eine Bringschuld jedes einzelnen Mitglieds: Die langfristige Perspektive der Übernahme eines Ehrenamtes wird in der Satzung (§ 7.I.3.) noch vor der Pflicht zur Zahlung der Beiträge genannt. Allerdings haben wir uns in der Vergangenheit kaum um die Erfüllung dieser Pflicht gekümmert. Wir haben die Beitragszahlung und die Abarbeitung der Pflichtarbeitsstunden kontrolliert, aber das langfristig Wichtigste vergessen: Denn wer im Verein Verantwor­tung übernimmt, der wird auch seine Beiträge zahlen, aber wer seine Beiträge zahlt, wird sich nicht notwendig auch im Verein engagieren. Hier haben wir also einen großen Nachholbedarf.

Es muss nicht jeder ein Messewart oder ein Platzwart werden, aber viel mehr Mitglieder als heute noch müssen sich in die Aufgaben der Ressorts einbringen, um die Lasten gleichmäßiger zu verteilen und um eventuell auch einmal ein Ressort leiten zu können.

Mit unseren Ehrenamtlichen, mit unseren Obleuten und weiteren Helfern haben wir zum Glück einen verlässlichen Stamm von Mitgliedern, die das Rückgrat unseres Vereins bilden. Leider sind das aber nur etwa 50 von unseren insgesamt etwa 300 Mitgliedern. Hier müssen wir die Lücke zu verkleinern suchen.

Es kommt darauf an, die Mitwirkung für jeden zu erleichtern und möglichst viele einzubeziehen. Für diese breitere Mitwirkung werden wir neue Möglichkeiten schaffen, wir werden beobachten, wie sie genutzt werden – und wir werden auch fordern, dass sie genutzt werden.

Norbert Woeckner-Gerber
Vorsitzender SVSt


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