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SVSt unterwegs - Seeblogs, Fahrtensegeln, Fahrtenwettbewerbe, Seereisen
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Seeblogs (13)

SVSt unterwegs

In diesem Blog freuen wir uns über Grüße von unterwegs, Wissenswertes über Land und Leute von dort, wo Sie gerade sind und an uns Daheimgebliebene denken.

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Kalmar war während des Mittelalters von großer strategischer Bedeutung bis es 1680 seine militärische Führungsrolle an den neuen Kriegshafen verlor. Sehenswert sind unter anderem der Barockdom, die Burg, Schlosspark mit Modern Art Museum, Gamlastan: Altstadtgassen mit schönen Holzhäusern und Blumengärten. Das Länsmuseum zeigt Schätze des mittelalterlichen Kriegsschiffes „Kronan“. Das Schiff, doppelt so groß wie die „Wasa“, ging 1676 bei einer Verfolgung durch eine dänisch-holländische Kriegsflotte an der SE-Spitze Ölands mit 800 Mann unter.

Am 11.August fahren wir von Kalmar in den idyllischen Fischereihafen Torhamn. Es ist immer wieder erstaunlich wie schnell und heftig Schauerböen auftreten. Mit alter Dünung war das eine Hackerei.

Weiter zur Insel Hanö bei viel Wind endlich mal Segeln. Wir legen einen Hafentag ein und erkunden die Insel. Natürlich nehmen wir den schönsten runden Granitstein der Insel als Andenken mit. Der Hafen Hanö ist nach NW offen. Am nächsten Morgen hatte der Wind auf NW gedreht: kräftige NW-Böen drücken aufs Boot. Der Heckanker slipt und der Buganker rummst an den Holzsteg. Also schnell Ankerauf! Sehr angenehmes Segeln: Unter Fock und Groß steuert uns die Aries schnurgerade. Skillinge geben wir auf, bei rückgedrehtem Wind und Böen bis 6Bft aus SW drehen wir ab und laufen in den Hafen Simrishamn. Nach dunklen Regenfronten werden wir mit leuchtendem Regenbogen und rotem Abendhimmel belohnt.

Nach Bornholm nur mit der großen Genua. Rechtwinklig queren wir das stark befahrene Verkehrstrennungsfahrwasser. Unser neuer AIS-Plotter zeigt uns die Geschwindigkeiten der Großen an. Wir können besser einschätzen: geht er noch vorne durch oder hinten.

Dann am nächsten Tag von Bornholm nach Swinemünde. Bei W 4-5Bft und später Schauerböen bis 34kn. Dann dreht „Er“ auf NNW. Alte und neue Welle ergeben eine chaotische See.

Bei der Ansteuerung auf S. Gibt der „Fastvollmond“ eine gute Sicht. Kurz vor der Hafenzufahrt weichen wir einer Fähre aus. Ein Baggerfahrzeug zeigt weiß-rot-weiß und wir lassen es an Stb. Die grüne Tonne zur Hafeneinfahrt ist nicht beleuchtet aber wir wissen, das sie dort sein muss! Kurz vor Mitternacht machen wir in der hintersten Ecke fest. Viele Stegplätze sind für die Regatta reserviert. Hier schließt sich der Ostseekreis. Erleichtert nach den für uns anstrengenden 70sm schmeckt das Bier.

Wir bunkern 75ltr Diesel, schlagen die Fock und Groß ab, demontieren den Windgenerator, bereiten uns mental auf die Kanalfahrt vor.

Am nächsten Tag dann nach Stettin. Ca. 28 € für Mastlegen, 1x Übernachten und 2 Duschmarken: das ist ein angemessener Preis!

Wir machen Station in Schwedt: Neue Bewirtschaftung, neue Gebäude, frischer Wind in der Anlage, hier kann man wieder anlegen! Vollmond über Deich und Westoder, schön.

Kurz hinter Schwedt nehmen wir ein Motorboot mit Motorausfall bis Oderberg in Schlepp. 2. Stopp in Marienwerder.

Am Sonntag dann Ankunft im SVSt. Herzliche Begrüßung, wir sind wieder zurück nach 1625sm.

Die beliebte Insel Utö wird ´von vielen Fähren und Seglern angelaufen. Die Hafenmanöver laufen ruhig und gelassen ab, ohne laute Worte. Es herrscht eine lockere, fröhliche Atmosphäre. Von einer holländischen Mühle hat man einen schönen Blick über Utö und den Schärengarten. Der Heimatverein unterhält ein kleines Museum, das über die Geschichte und den Eisenerzbergbau informiert. Am nächsten Morgen haben wir ein kräftezehrendes Manöver, um unseren Heckanker freizukriegen. Jürgen baut später das schwere Heckankergeschirr um. Er tauscht den 15kg Bruce gegen einen 11kg Bügelanker. Der 10m Kettenvorlauf wird mit 10m Bleileine ersetzt. Für diese Region ist das allemal ausreichend!

In den Schären sehen wir unterwegs elegante, schlanke Schärenkreuzer. Viele einheimische Boote kreuzen sportlich durch das Fahrwasser. Wir als Touristen halten uns ans ausgetonnte Fahrwasser. Zu zweit arbeiten wir konzentriert mit detailierter Seekarte und unserem neuen Plotter. Leider kommt der Wind meist von vorn und es ergeben sich seltene Segelgelegenheiten.

Unsere Route führt uns über Ankerplätze und Orte: Sagviken, Trosa, Starrängsviken, Bucht Väggö, Horsö/St. Slipholmen, Loftahammar, Ankerbucht Skavdö-Djupesund.

Wegen permanentem Starkwind gegenan benutzten wir immer die Innenfahrwasser der waldreichen, geschützten schwedischen Schären.

Wie üblich bauen die Schweden ihre konfortablen Grillgeräte auf, sitzen auf den Schären und geniessen den Sommerabend. Fische fangen, Schären klettern, Schlauchboot fahren: ein Paradies für Kinder!

Leicht findet man in der Nähe der Schärenfahrwasser geschützte, absolut ruhige, einsame Ankerplätze. Jürgen:“Hier kann man die Stille hören!“ Anders als in Finnland wird es jetzt schon richtig dunkel, abhängig von der Jahreszeit und Breitengrad.

Am 6.8. verlassen wir die engen Schärenfahrwasser, ein gutes Gefühl mal wieder frei zu segeln, die Aries steuert und ist zufrieden bei 3-4Bft aus SW, später 5-6Bft am Wind machen wir gute Fahrt bis Sandvig/Insel Öland. Heute wird nicht an Bord gekocht, wir gehen lecker Fisch essen.

Wegen Windwarnung verlassen wir früh den Hafen und steuern Richtung Kalmar. Bis mittags haben wir 3-4Bft aus SW, später 5-6Bft. Wir segeln jetzt mit Reff im Groß und Fock.

Bei Ankunft im Hafen von Kalmar helfen Gerda und Gert A. Auf ihrem Boot verbringen wir schöne Stunden.

Wegen Starkwindwarnungen hängen wir hier fest. Morgen ergibt sich ein „Wetterfenster“ und wir nutzen die Gelegenheit weiter nach SW zu kommen.

Restaurantbesuche sind zu teuer, deshalb ist meist Selbstverpflegung angesagt, zB. Frischer , in Butter gebratener oder geräucherter Lachs mit dunklem, leicht süßlichem Brot. Ungewöhnlich aber lecker! Sauer eingelegte Gurken gibt’s vom Spreewald, über Polen, baltische Länder bis hier her.

Weiter geht’s über das betonnte Schärenfahrwasser zur südwestlichen Stadt Finnlands : Hanko.

Die skandinavischen Kardinaltonnen haben grundsätzlich keine Toppzeichen, sind also nur farblich gekennzeichnet: die gedachten Spitzen zeigen immer zum Schwarzen Streifen. Wir fahren nach Tonnenstrich, Seekarte und dem neu angeschafften Plotter nach WNW Richtung Turku-Schären.

Wir machen im kleinen Hafen Lillbacka, Insel Höcksara fest. Wunderschöne Umgebung, eine Idylle mit Blumengärten und dem beliebten Farmors-Caffee. Nächste Station ist die Schäre Jurmo. Jürgen findet das Fahren zwischen den Schären wie Boddensegeln. Iwir beobachten das Hafentheater beim Anlegen. Die Manöver verlaufen ruhig, gelassen ohne Hektik. Geparkt wird teilweise auch in Doppelreihen.

Wir stellen fest, dass unsere neu erworbene Bugleiter nicht passt weil der Bug zu sehr geneigt ist. Jürgen baut als Ersatz eine einfache Strickleiter. Wir bleiben noch einen Tag länger im Nationalprk Schärenmeer um das Schärenleben und die Natur zu geniessen. Heidelandschaften, Blüten in leuchtenden Farben, Blaubeeren, Lamas als Rasenmäher, Kinder sind eifrig und ausdauernd mit Kächern beschäftigt, Grillplätze Saunahütte, kleiner Laden am Steg als Info- und Kommunikationszentrum, gemütlich wie ein Wohnzimmer.

Am 22. Juli erreichen wir den Hafen Helsö der, der südöstlichen Alandinsel Kökar. Laut Aushang im Hafenkiosk ist hier Ende Juli die Saison vorbei, warum eigentlich? Beim Blick auf die Alandkarte: hier könnte man locker eine ganze Segelsaison verbringen.

Die Insel Degerö/Degerby, Vöglö-Marina erreichen wir wieder leider nur motorend. Ulla genießt einen kleinen Saunagang und kommt entspannt zurück.

Die Besichtigung des 4-mastigen Rahseglers „Pommern“ in Mariehamn und das Schifffahrtsmuseum dokumentieren eindrucksvoll die Geschichte der Frachtsegler. Pünktlich um 21:00 gibt es ein Schusssignal zum streichen der Nationalen. Sofort springen die Skipper an Deck um der Verpflichtung nachzukommen!

Die Überfahrt nach Schweden muss wegen Frühnebels um eine Stunde verschoben werden. Aber hurra wir können die 38sm zu 2/3 segeln. In Gräddö verabschieden wir uns von PrimaDonna, wir hatten eine gute Zeit zusammen!

Ab mittags geht unser Kurs zwischen den Inseln Yxlan und Blido. An beiden Seiten schöne Villen, Saunahütten am Wasser, bewaldete Ufer. Schwell durch rasende Motorboote ist störend. Am späten Nachmittag machen wir in der Ankerbucht Insel Säck/Krogholm mit Heckanker und 2 Landleinen fest. Wir geniessen die ruhige, sonnige Abendstimmung wie gebucht.

Unsere nächste Station ist die Insel Utö, SE-lich von Stockholm.

Ulla und Jürgen

Mittwoch, 03 August 2016 19:27

Grüße aus dem Stockholmer Schärengarten

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die Etappen der vergangenen Tage zeichneten sich vor allem durch die unterschiedlichen Schären-Landschaften in Südfinnland, den Alands und dem Stockholmer Schärengarten aus, zur Abwechslung sahen wir dann auch einige Städte.

Bei der Auswahl der Ziele in diesen Landschaften folgten wir insbesondere den Empfehlungen finnischer und schwedischer Segler und finnischer Kolleginnen: teilweise Orte, von denen wir bisher noch nichts gehört hatten.

Die südfinnischen Schären vor Helsinki zeigten viel Natur in Form von Wäldern und Steinen über und unter Wasser. Die Inseln sind eher lieblich, nicht schroff, nicht sehr hoch und bewaldet. Auf den bewaldeten Felsen sieht man vereinzelt Sommerhäuser, teilweise sogar mit Steg oder Anlegebojen.

Nach Tammisaari führte uns der Weg nach Hanko, der Stadt in der Südwestecke Finnlands. Hanko, eine sehr alte finnische Stadt, bezog seine Bedeutung dadurch, dass es Finnlands einziger eisfreier Hafen war. Jetzt gilt der Ort vor allem als ein in Finnland sehr beliebtes Ferien- und Wassersportzentrum.

Die Schäre Högsara war uns wegen ihrer Schönheit und auch wegen des sehr bekannten „Farmors Cafés“ dringend empfohlen worden. Selbstverständlich besuchten wir dieses Gartenlokal, das für finnische Sommerausflüge sehr beliebt ist. Wirklich eine sehr hübsche, liebliche Insel mit gemähten Rasenflächen und Wiesen. Das Licht, wie immer im Norden, ließ die Farben strahlen und verstärkte die Kontraste. Es zeigte sich eine finnische Idylle.

Ganz im Süden des finnischen Archipels liegt Jurmo. Diese Insel liegt offen zur nördlichen Ostsee; der Wind fegt über die exponiert liegende Schäre hinweg. Durch das raue Klima wirkt Jurmo schroff und herb. Inselspaziergänge zeigten uns einen Landschaftstyp mit Zwergstrauchheide, Wiesen voller blühender Blumen, Kiefernwald, Wachholder – und wieder jede Menge Blaubeeren.

Kurz danach setzten wir die Gastlandsflagge der Alands. Die Schären der südlichen Alands zeigten sich uns vielgestaltiger, waren allerdings ebenfalls relativ flach und häufig bewaldet.

Im südöstlichen Teil der Alands besuchten wir Hellsö auf der Insel Sommarön (Inselgruppe Kökar).  Ein ganz idyllische Plätzchen, viele Felsen, viel Grün, überall blüht es; dazu verträumte Schilfbuchten, rote Holzhäuser. Weiter ging es nach Degerby auf der Insel Föglö im südwestlichen Aland. Degerby ist ein kleiner, hübscher und gepflegter Ort.

Von dort fuhren wir weiter nach Mariehamn, der Hauptstadt der Alands. Dieser Ort sollte für uns der westlichste Punkt auf den Alands sein. Nach einer Stadtbesichtigung besuchten wir die „Pommern“, eine Viermastbark aus dem Jahr 1903. Wir konnten alle Einrichtungen und Räume besichtigen. Die Historie, das harte Leben auf See in seinen unterschiedlichen Aspekten und die Herausforderungen und Unwägbarkeiten wurden sehr anschaulich in Foto-Ausstellungen und durch einen Film über eine Kap-Horn-Umsegelung präsentiert. Der Besuch des dazugehörigen Schifffahrtsmuseums half, die Eindrücke zu vertiefen.

Auf der Überfahrt nach Schweden (rd. 30 sm) hatten wir phantastischen Wind zum Segeln, der zum Ende hin allerdings recht stark wurde. Unser erster Hafen dort war Gräddö. Von dort ging es für uns nach Süden in die Nähe von Stockholm.

Im Stockholmer Schärengarten erlebten wir nun andere Schären: Die Fesen sind höher und schroffer, aber meist ebenfalls hoch bewaldet. Die Fahrwasser sind breiter, so dass wir uns nicht ständig genau an die ausgewiesenen schmalen Fahrrinnen halten mussten. Die finnischen Seezeichen und Seekarten, an die wir uns sehr gut gewöhnt hatten, vermissten wir zunächst sehr.

Jeder Stockholmer scheint im Stockholmer Schärengarten ein Sommerhaus mit Bootsanleger zu haben. Wir erlebten einen ausgesprochen starken Sportbootverkehr, so dass wir uns fast wie an einem Sommersonntag auf der Havel fühlten. Glücklicherweise hatten wir auch im von Fähren und Kreuzfahrtschiffen stark frequentierten Furusund keine Begegnungen mit Großschifffahrt. Allerdings verließen wir diesen Schifffahrtsweg recht bald um durch den sehr engen Barösund nach Süden zu gehen.

Um die Landschaft in Muße zu genießen, suchten wir hier zwei Ankerbuchten auf:

Krokholmsviken auf der Insel Säck ist augenscheinlich ein sehr wohl bekannter Geheimtipp. Mit uns befanden sich ca. 35 Booten in der Bucht, entweder vor Anker oder an Felsen festgebunden.

Die Bucht Kolnäsviken auf der Insel Ornö war kleiner, wir zählten 16 Anker- oder Schärenlieger. Beide Buchten waren von bewaldeten Felsen und Schilfarealen gesäumt; die Atmosphäre war trotz der vielen Boote ruhig und äußerst friedlich.

Zur Zeit liegen wir mit unserem Boot in Nynäshamn, einer Stadt in der Nähe von Stockholm und werden die schwedische Hauptstadt von hier aus besichtigen.

Ulla und Jürgen, die lange Zeit mit uns parallel segelten, sind jetzt auf einem schnelleren Heimatkurs.

Mücken: von den viel beschrieben Mücken sind wir eigenartigerweise sowohl in Finnland als auch in den Alands weitgehend verschont geblieben. Auch die schwedischen haben sich bisher kaum gezeigt.

Das Wetter ist nach wie vor sommerlich warm; ganz vereinzelt gibt es Schauer. Manchmal haben wir morgens Nebel oder zumindest schlechte Sicht; der Wind ist häufig schwach und kommt aus Süden oder Südwest, so dass wir oft motoren. Am Nachmittag frischt er allerdings oft auf.

Mittwoch, 03 August 2016 19:24

Die HEI-JO auf den Shetlandinseln

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Hallo, Ihr Lieben,

herzliche Grüße von den herbstlichen, verregneten Shetlandinseln.

Wohlig spendet die Heizung die erforderliche Wärme und läßt das Seglerherz höher schlagen. Zufällig haben wir hier auch Boris mit Sohn getroffen.

Bisher haben wir 530 sm auf der Uhr, morgen, wenn wir nach Orkney verlegen, kommen 90 weitere hinzu. Und dann wird es auch schon wieder Zeit, an die vor Bohrinseln strotzende Nordsee zu denken, die uns nach Hause führen wird.

Herzliche Grüße an alle Stössenseeer

von Claudia und Wolfgang, an Bord HEI-JO

Montag, 18 Juli 2016 11:02

Lohusalu (Estland) - Tammisaari (Finnland)

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In der letzten Zeit hatten wir sehr unterschiedliche Etappen und Erlebnisse:

Von Lohusalu (Estland) aus führten einige Ausflüge per Bus nach Tallinn. Tallinn ist wirklich eine Reise wert! Diese Stadt beeindruckend zu nennen, ist nicht ausreichend. Die Altstadt verfügt über viel gut erhaltenen historische Bausubstanz. Die Häuser, Gassen, Kirchen und Bezirke lassen das Leben und Treiben im Mittelalter gut vorstellbar werden. Diesen einmaligen Eindruck lassen sich natürlich auch viele Kreuzfahrtschiffpassagiere nicht entgehen. Als Gegenpol dazu erlebt man gleich in angrenzenden Bezirken eine lebhafte Großstadt mit moderner Architektur und Hochhäusern.

Wir unternahmen auch einige Ausflüge zu Fuß oder mit dem Fahrrad in die hübsche nordestnische Landschaft.

Nach einem langen Segeltag von Lohusalu über den Finnischen Meerbusen erreichten wir Helsinki. Unterwegs erlebten wir einen ausgesprochen starken Fähr-, Tanker- und Kreuzschifffahrtverkehr, zudem am Vormittag Nebel, und dann am Nachmittag wirklich pottendicken Nebel. Die Sichtweite war extrem gering, wir hörten nur die Nebelhörner der vorbeifahrenden Großschifffahrt. Zu unserer Erleichterung löste sich der Nebel bei der Ansteuerung Helsinkis auf, allerdings hatten wir dann zu allem Überfluss kurz vor der Einfahrt nach Helsinki Gewitter.

In Helsinki fanden wir einen schönen Platz in einer Marina im Zentrum der Stadt. Bei dem schönen Wetter zeigte sich Helsinki als beeindruckende, pulsierende Stadt, sehr elegant und offensichtlich wohlhabend. Der Besuch einer finnischen Kollegin auf unserem Boot half uns, einiges über Finnland besser zu verstehen.

Navigatorisch war die Ausfahrt aus Helsinki schwierig, starker Verkehr, Großschifffahrt und unendlich viele Untiefentonnen.

Nachdem wir Helsinki verlassen haben, sind wir in die Südfinnischen Schären, den sogenannten Archipelago, gelangt. Dies ist ein Gebiet Tausender großer, kleiner und kleinster Inseln, manchmal nur aus einigen Steinen bestehend (die nicht immer über die Wasseroberfläche hinausragen), sehr häufig bewaldet oder wenigstens mit Moos, Pflanzen und Bäumen bewachsen. Es ist nicht wirklich einfach, in diesen Gewässern zu navigieren, allerdings geben die Seekarten verwinkelte Routen mit einer für unser Boot ausreichenden, gesicherten Wassertiefe als Möglichkeit vor.

Auf etlichen Schären sieht man einzeln stehende Sommerhäuser oder schicke große Wohnhäuser im finnischen Stil.

Sehr viele Schären scheinen in Privatbesitz zu sein, wie wir den Karten entnehmen. Allerdings sind sie aufgrund des hier geltenden „Jedermannsrechts“ für die Allgemeinheit im Rahmen verfügbar. Die Landschaft der finnischen Schären ist bezaubernd, unvergleichlich schön, wir hatten es uns vorher so nicht vorstellen können.

Zunächst waren wir auf Dragesviken auf der Porkala-Halbinsel. Ein erweiterter Spaziergang ließ uns in eine uns bislang unbekannte Landschaft eintauchen – sehr grün, bemooste Bäume und Steine, vieles überwachsen, unendlich viele Blaubeeren. Da erwartet man hinter jeder Wegwindung Feen, Trolle und andere Fabelwesen.

Danach segelten wir nach Älgsjö auf Elisaari. Der Weg führte uns durch viele Fahrwasserwindungen, hindurch durch Schilf und Wald, teilweise über sehr flache Rinnen (laut Seekarte mit einer Tiefe von 1m, unser Boot benötigt hingegen eher 1,80m) in einen ganz romantischen und sicheren Hafen, in dem wir ganz nah an den Steinen festmachen konnten. Uns lagen vorher gesicherte Informationen vor, dass dieser Weg für uns möglich war. Auch diese Landschaft lohnte sich, zu Fuß zu erkunden.

Inzwischen sind wir in Tammisaari und haben wieder einmal ein Seebad erreicht. Die Altstadt mit ihren schönen pastellfarbenen Holzhäusern und einer Feldsteinkirche von 1680 (erst vor wenigen Jahren wurden die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen) ist sehenswert.

Das Wetter ist in den letzten Tagen eher stark wechselnd: Sonne, Wolken und Schauer folgen aufeinander in schnellem Wechsel, hin und wieder haben wir Nebel (wenn das Wasser durch die vorangegangene sehr warme Schönwetterperiode wärmer ist als die Luft) oder auch Gewitter; allerdings ist es nicht kalt. Der Wind ist recht kräftig und kommt meist aus der Richtung, in die wir fahren wollen.

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Von Lohusalu gibt es gute Busverbindungen in die Estnische Hauptstadt Tallinn, die seit 1285 unter dem Namen „Reval“ zur Hanse gehörte. Die gesamte Altstadt gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Die alte Stadtmauer mit ihren 26 Türmen ist fast vollständig erhalten geblieben. Auf dem Domberg steht u.a. das Schloss Katarinas II, heute Sitz des estnischen Parlamentes. Gegenüber steht die Alexander-Nevski-Katedrale, als Zeichen des russischen Herrschaftsanspruch gebaut. Von 2 Aussichtsplattformen hat man wunderschöne Aussicht über die mittelalterlichen Stadtviertel bis zur großen Bucht. Historischer Kern der Stadt ist der Rathausplatz mit dem gotischen Rathaus (1402-1404). Gegenüber liegt die bemerkenswerte Rathausaphoteke, 1422 erstmals erwähnt, seit über 600 Jahren durchgehend im Betrieb. Die prächtigen Häuser der Kaufmanns-und Handwerkergilden zeugen vom Reichtum und der Bedeutung der Stadt.

Es gibt neben der Altstadt auch bemerkenswerte moderne Architektur. Sehr interessant auch das Rothermannquartier, eine hippe Schopping- und Restaurantscene in einem ehemaligen Industrieareal.

Wegen der Starkwindwarnungen liegen wir fast 1 Woche im Hafen Lohusalu. U. geniest die Sauna, die täglich ab 18:00 angeheizt wird.

Am 9. Juli fahren wir 47 sm nach Helsinki. Nachmittags kam dichter Seenebel auf. Die Nebelhörner der großen Fähren klangen unheimlich. Wir sind heilfroh über unsere Neuanschaffung von Plotter und AIS.

Helsinki ist eine der schönsten Jugenstilstädte Europas. Es lohnt sich , immer wieder stehenzubleiben, um einen Blick nach oben zu werfen (Fassadendekorationen, Türmchen, Figuren und u.a. stilistische Elemente. - Große Schoppingmals, Designläden aber auch eine alte Markthalle von 1889 ziehen viele Menschen an.

Die Fahrt durch die finnischen Schären ist ein besonders schönes Erlebnis. Die sehr detaillierten Seekarten markieren die Schärenfahrwasser, die sehr gut ausgetonnt sind. Rechts und links liegen kleine und größere Inseln . Viele Ferienhäuser mit Bootsstegen. Wie es schein, hat jeder Finne ein Ferienhaus auf einer Schäre inkl. Sauna. Selbst bei Starkwind lassen sich die Schärenfahrwasser gut befahren, kein Schwell. Es ist so paradiesisch schön hier, warum sollen Finnen verreisen, Natur pur vor der Haustür.

Tammisaari, eine der ältesten Städte Finnlands, hat eine sehenswerte Altstadt mit gepflegten pastellfarbigen Holzhäusern. Bereits im Jahre 1546 verlieh der schwedische König Gustav Wasa dem Ort die Stadtrechte.

Das Abendlicht hier im Norden hat eine besondere Strahlkraft, die die Farben intensiver erscheinen läßt.

Die Einheimischen sind freundlich, zurückhaltend, hilfsbereit, unaufgeregt und gute Segler.

Unser nächstes Ziel sind die Alands.

Ulla und Jürgen

Montag, 11 Juli 2016 10:11

Danzig - Lohusalu

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Auf unserer Segelrundtour durch die Ostsee sind wir – die SY Juella und die SY PrimaDonna, gemeinsam bis Danzig auch mit der SY Julius – in einem kleinen Hafen kurz vor Tallinn angekommen. Unsere Fahrt führte uns von Swinemünde entlang der polnischen Küste nach Kolberg, Darlowo und Leba, an der Halbinsel Hel entlang ging es dann in die Danziger Bucht nach Hel und weiter nach Danzig, einem Höhepunkt unserer bisherigen Reise.

Danzig, eine imposante, sehenswerte Stadt! Unser Liegeplatz befand sich direkt gegenüber dem historischen Krantor. Die Altstadt (ältester Teil von Danzig) und die „neuere“ Rechtsstadt (13. / 14. Jahrhundert) ließen uns staunen – ob der Bauwerke, der grandiosen Architektur als auch der guten, liebevollen Restaurierung. Für einen Überblick sind wir dann auch 405 Stufen auf den Turm der Marienkirche, dem höchsten Turm der Stadt, gestiegen.

Es ist hingegen noch etwas ungewohnt, dass es um Mitternacht noch hell ist und eigentlich gar nicht richtig dunkel wird.

Das Wetter war bisher hochsommerlich warm. Hin und wieder hatten wir kurze Schauer. Plötzlich auftretender Nebel war allerdings auch dabei: Nach einer Fahrt von Hel nach Klaipeda von fast 23 Stunden empfing uns pottendicker Nebel, so dass wir vor der Hafeneinfahrt ankern mussten (ein wirklich sonderbares Erlebnis); am nächsten Vormittag erhielten wir dann einen wunderschönen Liegeplatz im Festungsgraben der Memelburg.

Überall haben wir bislang nette, hilfsbereite, freundliche Menschen getroffen.

Weitere Zwischenstopps haben wir gemacht in

- Klaipeda (Litauen): modern, jung, elegant, viel restaurierte Bausubstanz, charmante Stadt

- Liepaja (Lettland) hat einen ganz anderen Charakter. Die Architektur ist russisch beeinflusst, es gibt viel alte Bausubstanz, ein Nebeneinander von verschiedenen Jahrhunderten. Alles ist etwas einfacher.

- Pavilosta: kleiner schicker, wohlhabender Ort mit einem perfekt deutsch sprechenden Hafenmeister

- Ventspils: Nebeneinander von Jugendstilhäusern, russisch geprägter Architektur in unterschiedlicher Hinsicht, Resten sozialistischen Charmes, verfallenen Gebäuden aus früheren Epochen (unter Denkmalschutz) und modernen Gebäuden, durchsetzt mit sehr gut gestalteten und gepflegten Grünanlagen. Die Stadt ist aufgrund der Ölverladung wohlhabend, was man durchaus anhand verschiedener Parks, Museen, weiterer Anlagen und Skulpturen sehen kann.

Während unserer Fahrt entlang der polnischen, litauischen und lettischen Küste lagen immer kilometerlange, weiße, menschenleere Strände rechts neben uns – ein sehr einheitliches Bild.

Unsere Reise führte uns dann durch Estland.

- Der erste estnische Hafen war Möntu im äußersten Südwesten von Estland, ein kleiner, eigentlich unbedeutender Schutzhafen an der Südspitze der Insel Saaremaa, landschaftlich wunderschön gelegen.

- Danach folgte ein Aufenthalt in Kuressaare, einem Kurort mit wundervoller zaristischer Bäderarchitektur und einer gut erhaltenen, mächtigen Bischofsburg mit sehenswertem Museum und gut aufbereiteter Ausstellung.

- Zur Abwechslung besuchten wir dann zwei Häfen, die „Natur pur“ boten: Köiguste auf Saaremaa und Lounaranna auf der Insel Muhu.

- Und dann war wieder Bäderarchitektur in Haapsalu angesagt. Die Fahrt dorthin dauerte mehr als neun Stunden und war navigatorisch zum Teil recht anspruchsvoll. Dafür wurden wir in diesem bildschönen Ort mit einer Ruine einer gewaltigen Bischofsburg, einem prachtvollen Bahnhof von 1907, einer Domkirche, recht gepflegten Promenaden und einem hölzernen Kurhaus aus dem 19. Jahrhundert entschädigt. Und nicht zu vergessen: eine „Musikbank“ und Erinnerungen an Tschaikowski, der hier in seinem Sommerhaus komponierte.

- Jetzt sind wir in Lohusalu, einem kleine Ort auf einer Halbinsel in der Nähe von Tallin. Wir sahen bislang sehr große weiträumige Villen, von denen wir annehmen, dass sich dort wohlhabende Talliner Bürger niedergelassen haben.

Die Landschaft hat sich geändert: es gibt keine kilometerlangen Sandstrände mehr, dafür viele große Steine, ausgedehnte Schilfgürtel, Kiefern-Wacholder-Wälder und an manchen Stellen Steilküsten.

Mit uns fahren auf dieser Route ca. 8 bis 10 Yachten, mit denen wir uns von Zeit zu Zeit wieder treffen.

Allerdings stellt sich jetzt eine Wetterverschlechterung ein: es wird kühler und der Wind hat sehr stark zugenommen. Nach Wetterbesserung werden wir in den nächsten Tagen versuchen, weiter nach Tallinn und dann nach Helsinki in Finnland zu segeln.

 

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Von der Danziger Bucht bis Klaipeda/Litauen waren wir knapp 23 Std unterwegs. Meist mußten wir motoren. Dabei wurden wir durch den in Danzig erworbenen neuen elektrischen Steuermann unterstützt. Abends wurde vor unserem Ziel der Nebel so dicht, dass man keinerlei Molenfeuer erkennen konnte. Also haben wir in Strandnähe vor dem Hafen geankert. Ein Besuch des kurischen Haffs und der Nehrung per Boot und Bus waren äußerst interessant. Die riesigen Wanderdünen und auch das Thomas Mann-Sommerhaus, frisch restauriert! Bei starkem Sturm lagen wir sicher im Kastellhafen!

Liepaja, die drittgrößte Stadt Lettlands als nächste Station.

Venspiels ist der größte Öl-Umschlaghafen der Ostsee. Die Stadt macht einen sehr gepflegten Eindruck, dazu noch ein langer Traumstrand mit weissem Zuckersand.

Insgesamt haben wir einen sehr positiven Eindruck der baltischen Länder. Wir haben nur freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen. Seit der Unabhängigkeit 1990 hat sich sehr viel positiv entwickelt.

Von Kurassaare, Insel Saaremaa, geht es demnächst in Richtung Tallin. In der Burg von Kurassaare (14. Jh) befindet sich eine beeindruckende Dokumentation über die Zeiten diverser Besatzungsmächte und über den starken Freiheitswillen der Bevölkerung des Landes.

Wir stellen fest, dass unsere Seekarten, die wir für dieses Seegebiet haben, nicht ausreichen. Für diese Region mit weiten Wassermassen, müssen jedoch sehr detaillierte Seekarten genutzt werden. Darauf waren wir nicht vorbereitet. Zum Glück: Ulli half uns aus und wir ließen ca. 16 farbige Detailkarten kopieren.

Unsere nächste Station ist ein kleiner Anleger, Koiguste, mit traumhafter ruhiger Umgebung und rotem Abendhimmel.

Haabsalu, ebenfalls knifflig anzusteuern, hat auch eine Burg aus dem 13. Jh. Hier fallen wieder die typischen Holzhäuser auf, sehr schlicht aber meistens gepflegt und mit Pastellfarben gestrichen. Ebenfalls das hölzerne Kurhaus und der hölzerne Bahnhof aus Zarenzeiten extra für Nicolai II gebaut.

Seit dem 2. Juli liegen wir im kleinen sehr geschützten Hafen von Lohusalu. Wegen Starkwind und starkem Wellengang sitzen wir hier fest. Die prächtige Hauptstadt Tallinn ist von hier aus in knapper Stunde mit dem Bus zu erreichen. Neben der sehenswerten mittelalterlichen Altstadt gibt es moderne Stadtviertel. Unser Eindruck: es boomt.

Ulla freut sich abends auf die Sauna.

Unser nächstes Ziel ist Helsinki.

Bis dahin herzliche Grüße von Ulla und Jürgen

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