Segler-Verein Stössensee e.V.

Segeln auf der Sonnenseite der Havel
Jürgen Küpper

Jürgen Küpper

Kalmar war während des Mittelalters von großer strategischer Bedeutung bis es 1680 seine militärische Führungsrolle an den neuen Kriegshafen verlor. Sehenswert sind unter anderem der Barockdom, die Burg, Schlosspark mit Modern Art Museum, Gamlastan: Altstadtgassen mit schönen Holzhäusern und Blumengärten. Das Länsmuseum zeigt Schätze des mittelalterlichen Kriegsschiffes „Kronan“. Das Schiff, doppelt so groß wie die „Wasa“, ging 1676 bei einer Verfolgung durch eine dänisch-holländische Kriegsflotte an der SE-Spitze Ölands mit 800 Mann unter.

Am 11.August fahren wir von Kalmar in den idyllischen Fischereihafen Torhamn. Es ist immer wieder erstaunlich wie schnell und heftig Schauerböen auftreten. Mit alter Dünung war das eine Hackerei.

Weiter zur Insel Hanö bei viel Wind endlich mal Segeln. Wir legen einen Hafentag ein und erkunden die Insel. Natürlich nehmen wir den schönsten runden Granitstein der Insel als Andenken mit. Der Hafen Hanö ist nach NW offen. Am nächsten Morgen hatte der Wind auf NW gedreht: kräftige NW-Böen drücken aufs Boot. Der Heckanker slipt und der Buganker rummst an den Holzsteg. Also schnell Ankerauf! Sehr angenehmes Segeln: Unter Fock und Groß steuert uns die Aries schnurgerade. Skillinge geben wir auf, bei rückgedrehtem Wind und Böen bis 6Bft aus SW drehen wir ab und laufen in den Hafen Simrishamn. Nach dunklen Regenfronten werden wir mit leuchtendem Regenbogen und rotem Abendhimmel belohnt.

Nach Bornholm nur mit der großen Genua. Rechtwinklig queren wir das stark befahrene Verkehrstrennungsfahrwasser. Unser neuer AIS-Plotter zeigt uns die Geschwindigkeiten der Großen an. Wir können besser einschätzen: geht er noch vorne durch oder hinten.

Dann am nächsten Tag von Bornholm nach Swinemünde. Bei W 4-5Bft und später Schauerböen bis 34kn. Dann dreht „Er“ auf NNW. Alte und neue Welle ergeben eine chaotische See.

Bei der Ansteuerung auf S. Gibt der „Fastvollmond“ eine gute Sicht. Kurz vor der Hafenzufahrt weichen wir einer Fähre aus. Ein Baggerfahrzeug zeigt weiß-rot-weiß und wir lassen es an Stb. Die grüne Tonne zur Hafeneinfahrt ist nicht beleuchtet aber wir wissen, das sie dort sein muss! Kurz vor Mitternacht machen wir in der hintersten Ecke fest. Viele Stegplätze sind für die Regatta reserviert. Hier schließt sich der Ostseekreis. Erleichtert nach den für uns anstrengenden 70sm schmeckt das Bier.

Wir bunkern 75ltr Diesel, schlagen die Fock und Groß ab, demontieren den Windgenerator, bereiten uns mental auf die Kanalfahrt vor.

Am nächsten Tag dann nach Stettin. Ca. 28 € für Mastlegen, 1x Übernachten und 2 Duschmarken: das ist ein angemessener Preis!

Wir machen Station in Schwedt: Neue Bewirtschaftung, neue Gebäude, frischer Wind in der Anlage, hier kann man wieder anlegen! Vollmond über Deich und Westoder, schön.

Kurz hinter Schwedt nehmen wir ein Motorboot mit Motorausfall bis Oderberg in Schlepp. 2. Stopp in Marienwerder.

Am Sonntag dann Ankunft im SVSt. Herzliche Begrüßung, wir sind wieder zurück nach 1625sm.

Die beliebte Insel Utö wird ´von vielen Fähren und Seglern angelaufen. Die Hafenmanöver laufen ruhig und gelassen ab, ohne laute Worte. Es herrscht eine lockere, fröhliche Atmosphäre. Von einer holländischen Mühle hat man einen schönen Blick über Utö und den Schärengarten. Der Heimatverein unterhält ein kleines Museum, das über die Geschichte und den Eisenerzbergbau informiert. Am nächsten Morgen haben wir ein kräftezehrendes Manöver, um unseren Heckanker freizukriegen. Jürgen baut später das schwere Heckankergeschirr um. Er tauscht den 15kg Bruce gegen einen 11kg Bügelanker. Der 10m Kettenvorlauf wird mit 10m Bleileine ersetzt. Für diese Region ist das allemal ausreichend!

In den Schären sehen wir unterwegs elegante, schlanke Schärenkreuzer. Viele einheimische Boote kreuzen sportlich durch das Fahrwasser. Wir als Touristen halten uns ans ausgetonnte Fahrwasser. Zu zweit arbeiten wir konzentriert mit detailierter Seekarte und unserem neuen Plotter. Leider kommt der Wind meist von vorn und es ergeben sich seltene Segelgelegenheiten.

Unsere Route führt uns über Ankerplätze und Orte: Sagviken, Trosa, Starrängsviken, Bucht Väggö, Horsö/St. Slipholmen, Loftahammar, Ankerbucht Skavdö-Djupesund.

Wegen permanentem Starkwind gegenan benutzten wir immer die Innenfahrwasser der waldreichen, geschützten schwedischen Schären.

Wie üblich bauen die Schweden ihre konfortablen Grillgeräte auf, sitzen auf den Schären und geniessen den Sommerabend. Fische fangen, Schären klettern, Schlauchboot fahren: ein Paradies für Kinder!

Leicht findet man in der Nähe der Schärenfahrwasser geschützte, absolut ruhige, einsame Ankerplätze. Jürgen:“Hier kann man die Stille hören!“ Anders als in Finnland wird es jetzt schon richtig dunkel, abhängig von der Jahreszeit und Breitengrad.

Am 6.8. verlassen wir die engen Schärenfahrwasser, ein gutes Gefühl mal wieder frei zu segeln, die Aries steuert und ist zufrieden bei 3-4Bft aus SW, später 5-6Bft am Wind machen wir gute Fahrt bis Sandvig/Insel Öland. Heute wird nicht an Bord gekocht, wir gehen lecker Fisch essen.

Wegen Windwarnung verlassen wir früh den Hafen und steuern Richtung Kalmar. Bis mittags haben wir 3-4Bft aus SW, später 5-6Bft. Wir segeln jetzt mit Reff im Groß und Fock.

Bei Ankunft im Hafen von Kalmar helfen Gerda und Gert A. Auf ihrem Boot verbringen wir schöne Stunden.

Wegen Starkwindwarnungen hängen wir hier fest. Morgen ergibt sich ein „Wetterfenster“ und wir nutzen die Gelegenheit weiter nach SW zu kommen.

Restaurantbesuche sind zu teuer, deshalb ist meist Selbstverpflegung angesagt, zB. Frischer , in Butter gebratener oder geräucherter Lachs mit dunklem, leicht süßlichem Brot. Ungewöhnlich aber lecker! Sauer eingelegte Gurken gibt’s vom Spreewald, über Polen, baltische Länder bis hier her.

Weiter geht’s über das betonnte Schärenfahrwasser zur südwestlichen Stadt Finnlands : Hanko.

Die skandinavischen Kardinaltonnen haben grundsätzlich keine Toppzeichen, sind also nur farblich gekennzeichnet: die gedachten Spitzen zeigen immer zum Schwarzen Streifen. Wir fahren nach Tonnenstrich, Seekarte und dem neu angeschafften Plotter nach WNW Richtung Turku-Schären.

Wir machen im kleinen Hafen Lillbacka, Insel Höcksara fest. Wunderschöne Umgebung, eine Idylle mit Blumengärten und dem beliebten Farmors-Caffee. Nächste Station ist die Schäre Jurmo. Jürgen findet das Fahren zwischen den Schären wie Boddensegeln. Iwir beobachten das Hafentheater beim Anlegen. Die Manöver verlaufen ruhig, gelassen ohne Hektik. Geparkt wird teilweise auch in Doppelreihen.

Wir stellen fest, dass unsere neu erworbene Bugleiter nicht passt weil der Bug zu sehr geneigt ist. Jürgen baut als Ersatz eine einfache Strickleiter. Wir bleiben noch einen Tag länger im Nationalprk Schärenmeer um das Schärenleben und die Natur zu geniessen. Heidelandschaften, Blüten in leuchtenden Farben, Blaubeeren, Lamas als Rasenmäher, Kinder sind eifrig und ausdauernd mit Kächern beschäftigt, Grillplätze Saunahütte, kleiner Laden am Steg als Info- und Kommunikationszentrum, gemütlich wie ein Wohnzimmer.

Am 22. Juli erreichen wir den Hafen Helsö der, der südöstlichen Alandinsel Kökar. Laut Aushang im Hafenkiosk ist hier Ende Juli die Saison vorbei, warum eigentlich? Beim Blick auf die Alandkarte: hier könnte man locker eine ganze Segelsaison verbringen.

Die Insel Degerö/Degerby, Vöglö-Marina erreichen wir wieder leider nur motorend. Ulla genießt einen kleinen Saunagang und kommt entspannt zurück.

Die Besichtigung des 4-mastigen Rahseglers „Pommern“ in Mariehamn und das Schifffahrtsmuseum dokumentieren eindrucksvoll die Geschichte der Frachtsegler. Pünktlich um 21:00 gibt es ein Schusssignal zum streichen der Nationalen. Sofort springen die Skipper an Deck um der Verpflichtung nachzukommen!

Die Überfahrt nach Schweden muss wegen Frühnebels um eine Stunde verschoben werden. Aber hurra wir können die 38sm zu 2/3 segeln. In Gräddö verabschieden wir uns von PrimaDonna, wir hatten eine gute Zeit zusammen!

Ab mittags geht unser Kurs zwischen den Inseln Yxlan und Blido. An beiden Seiten schöne Villen, Saunahütten am Wasser, bewaldete Ufer. Schwell durch rasende Motorboote ist störend. Am späten Nachmittag machen wir in der Ankerbucht Insel Säck/Krogholm mit Heckanker und 2 Landleinen fest. Wir geniessen die ruhige, sonnige Abendstimmung wie gebucht.

Unsere nächste Station ist die Insel Utö, SE-lich von Stockholm.

Ulla und Jürgen

Von Lohusalu gibt es gute Busverbindungen in die Estnische Hauptstadt Tallinn, die seit 1285 unter dem Namen „Reval“ zur Hanse gehörte. Die gesamte Altstadt gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Die alte Stadtmauer mit ihren 26 Türmen ist fast vollständig erhalten geblieben. Auf dem Domberg steht u.a. das Schloss Katarinas II, heute Sitz des estnischen Parlamentes. Gegenüber steht die Alexander-Nevski-Katedrale, als Zeichen des russischen Herrschaftsanspruch gebaut. Von 2 Aussichtsplattformen hat man wunderschöne Aussicht über die mittelalterlichen Stadtviertel bis zur großen Bucht. Historischer Kern der Stadt ist der Rathausplatz mit dem gotischen Rathaus (1402-1404). Gegenüber liegt die bemerkenswerte Rathausaphoteke, 1422 erstmals erwähnt, seit über 600 Jahren durchgehend im Betrieb. Die prächtigen Häuser der Kaufmanns-und Handwerkergilden zeugen vom Reichtum und der Bedeutung der Stadt.

Es gibt neben der Altstadt auch bemerkenswerte moderne Architektur. Sehr interessant auch das Rothermannquartier, eine hippe Schopping- und Restaurantscene in einem ehemaligen Industrieareal.

Wegen der Starkwindwarnungen liegen wir fast 1 Woche im Hafen Lohusalu. U. geniest die Sauna, die täglich ab 18:00 angeheizt wird.

Am 9. Juli fahren wir 47 sm nach Helsinki. Nachmittags kam dichter Seenebel auf. Die Nebelhörner der großen Fähren klangen unheimlich. Wir sind heilfroh über unsere Neuanschaffung von Plotter und AIS.

Helsinki ist eine der schönsten Jugenstilstädte Europas. Es lohnt sich , immer wieder stehenzubleiben, um einen Blick nach oben zu werfen (Fassadendekorationen, Türmchen, Figuren und u.a. stilistische Elemente. - Große Schoppingmals, Designläden aber auch eine alte Markthalle von 1889 ziehen viele Menschen an.

Die Fahrt durch die finnischen Schären ist ein besonders schönes Erlebnis. Die sehr detaillierten Seekarten markieren die Schärenfahrwasser, die sehr gut ausgetonnt sind. Rechts und links liegen kleine und größere Inseln . Viele Ferienhäuser mit Bootsstegen. Wie es schein, hat jeder Finne ein Ferienhaus auf einer Schäre inkl. Sauna. Selbst bei Starkwind lassen sich die Schärenfahrwasser gut befahren, kein Schwell. Es ist so paradiesisch schön hier, warum sollen Finnen verreisen, Natur pur vor der Haustür.

Tammisaari, eine der ältesten Städte Finnlands, hat eine sehenswerte Altstadt mit gepflegten pastellfarbigen Holzhäusern. Bereits im Jahre 1546 verlieh der schwedische König Gustav Wasa dem Ort die Stadtrechte.

Das Abendlicht hier im Norden hat eine besondere Strahlkraft, die die Farben intensiver erscheinen läßt.

Die Einheimischen sind freundlich, zurückhaltend, hilfsbereit, unaufgeregt und gute Segler.

Unser nächstes Ziel sind die Alands.

Ulla und Jürgen

Von der Danziger Bucht bis Klaipeda/Litauen waren wir knapp 23 Std unterwegs. Meist mußten wir motoren. Dabei wurden wir durch den in Danzig erworbenen neuen elektrischen Steuermann unterstützt. Abends wurde vor unserem Ziel der Nebel so dicht, dass man keinerlei Molenfeuer erkennen konnte. Also haben wir in Strandnähe vor dem Hafen geankert. Ein Besuch des kurischen Haffs und der Nehrung per Boot und Bus waren äußerst interessant. Die riesigen Wanderdünen und auch das Thomas Mann-Sommerhaus, frisch restauriert! Bei starkem Sturm lagen wir sicher im Kastellhafen!

Liepaja, die drittgrößte Stadt Lettlands als nächste Station.

Venspiels ist der größte Öl-Umschlaghafen der Ostsee. Die Stadt macht einen sehr gepflegten Eindruck, dazu noch ein langer Traumstrand mit weissem Zuckersand.

Insgesamt haben wir einen sehr positiven Eindruck der baltischen Länder. Wir haben nur freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen. Seit der Unabhängigkeit 1990 hat sich sehr viel positiv entwickelt.

Von Kurassaare, Insel Saaremaa, geht es demnächst in Richtung Tallin. In der Burg von Kurassaare (14. Jh) befindet sich eine beeindruckende Dokumentation über die Zeiten diverser Besatzungsmächte und über den starken Freiheitswillen der Bevölkerung des Landes.

Wir stellen fest, dass unsere Seekarten, die wir für dieses Seegebiet haben, nicht ausreichen. Für diese Region mit weiten Wassermassen, müssen jedoch sehr detaillierte Seekarten genutzt werden. Darauf waren wir nicht vorbereitet. Zum Glück: Ulli half uns aus und wir ließen ca. 16 farbige Detailkarten kopieren.

Unsere nächste Station ist ein kleiner Anleger, Koiguste, mit traumhafter ruhiger Umgebung und rotem Abendhimmel.

Haabsalu, ebenfalls knifflig anzusteuern, hat auch eine Burg aus dem 13. Jh. Hier fallen wieder die typischen Holzhäuser auf, sehr schlicht aber meistens gepflegt und mit Pastellfarben gestrichen. Ebenfalls das hölzerne Kurhaus und der hölzerne Bahnhof aus Zarenzeiten extra für Nicolai II gebaut.

Seit dem 2. Juli liegen wir im kleinen sehr geschützten Hafen von Lohusalu. Wegen Starkwind und starkem Wellengang sitzen wir hier fest. Die prächtige Hauptstadt Tallinn ist von hier aus in knapper Stunde mit dem Bus zu erreichen. Neben der sehenswerten mittelalterlichen Altstadt gibt es moderne Stadtviertel. Unser Eindruck: es boomt.

Ulla freut sich abends auf die Sauna.

Unser nächstes Ziel ist Helsinki.

Bis dahin herzliche Grüße von Ulla und Jürgen